Reiterswiesen — Tänzerische Vielfalt und flotte Showeinlagen sind seit jeher Trumpf bei der Fidelia. Da durfte man von der Jubiläumssitzung durchaus kesse Mädchen mit langen Beine und wippenden Röckchen erwarten und sich auf manche Showparodie freuen.
Da machte es nicht viel aus, dass die Büttenreden eher zum Rahmenprogramm für die getanzten Geschichten gerieten, denn zum närrischen Jubiläum zog man nach Mitternacht noch eine ganz große Nummer aus dem Ärmel. Ließen zuvor schon vier Gardeformationen in prächtigen Kostümen mit Glamour und einem Hauch von Erotik Männerherzen höherschlagen, wirbelte das Tanzmariechen Lorena akrobatisch über die Bühne, hielten die Fidelia-Jungs mit zwei rasanten Shows und dem Männerballett dagegen und mit der Wiederbelebung der "Ritter von der Botenlaube" kam sogar ein wenig Lokalkolorit und Dorfgeschehen ins närrische Spiel. Aber dass sich zum krönenden Abschluss der Krone-Saal in eine afrikanische Savanne verwandelte, die Bühne zum Königsfelsen wurde, auf dem Löwen, Gazellen und Zebras die Geburt des Löwenjungen Simba feierten und drei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer zu den Klängen des Musicals "König der Löwen" tanzten, das war ein kreatives, farbenfrohes Feuerwerk der Extraklasse.

Kurs in Richtung Rio

Mit dem Einzug des Elferrats und dem Gardetanz der "Blauen Husaren" stach das Narrenschiff in See. Es wurde eine vergnügliche Reise, denn die "MSC Fidelia" nahm Kurs in Richtung Rio, wo das Männerballett beim Karneval als Azteken verkleidet an Land ging und sich in die Herzen vor allem der Zuschauerinnen tanzte. Da ahnte noch niemand im Saal, wo die Kreuzfahrt enden sollte. Man wippte mit im Charleston-Takt der "Minigarde" und verfolgte gespannt den Mailverkehr zwischen Björn Schönwiesner und Lisa Bühner, die sich in der WG nur noch per elektronischer Post verständigen wollten.
Wer hätte gedacht, dass sich auch die Ritter von der Botenlaube an Bord begeben hatten und mit ihren Gstanzln: "Ja, so warn's die oid'n Rittersleut" sich selbst, die Stadt ("Weil kein Geld in der Kasse ist, heißt das Rathaus jetzt Blankenburg") und das feindliche Arnshausen auf die Schippe nahmen. Die Blechrüstung stammte aus der Gründerzeit der Fidelia, "und so haben die Helme und Klamotten auch gerochen", wie Mario Fischer, einer der Akteure, versicherte. Auch Benedikt Schmitt, Tobias Dittrich und Felix Nöth hatten sich struppige Bärte angeklebt.
Nach so viel deftig rauer Vergangenheit tanzten sich die Kinder der "Linsenspitzergarde" mit frischen Farben einer Blumenwiese in die Herzen der Zuschauer. Charmant überreichte Prinzessin Caroline I. mit Unterstützung des Elferrats an verantwortliche Trainer und Betreuerinnen die fälligen Sessionsorden. Küsschen inklusive.

44 Jahre "Dauerbaustelle"

Nach der Pause wähnte man sich in der schon 44-jährigen Dauerbaustelle Fidelia, und es bedurfte schon der Mithilfe von Obelix alias Klaus Bollwein, die Betonmischmaschine auf die Bühne zu wuchten. Dass sich statt Zement und Sand der "Hilfsarbeiter" Constantin Kleinhenz mit Füßen nach oben in der Trommel drehte, brachte den Saal zum Kochen.
Standing Ovations, Mitsingen und Mitklatschen dann auch bei "The Voice of Reitschwiese", als "Matthias Reim" (Jürgen Büttner) " Verdammt, ich lieb dich" heiser schmetterte, Kandidat Bernd Kiesel sein Publikum mit einer oberbayerisch-österreichischen Persiflage irgendwo zwischen Volksrocker und Andachtsjodler zu überzeugen suchte, und Katharina Haase als Helene Fischer "Atemlos" über die Bühne hetzte.
Nach diesen furiosen Nummern wäre Durchatmen notwendig gewesen, aber beim etwas anrüchigen Thema menschlicher Bedürfnisse des verrückten Professors Jürgen Büttner war das nicht angesagt.
Als das Licht dann ausging, exotische Tiere durch die Gänge des Saales schlichen, sich formierten und zur Musik des Musicals "König der Löwen" der weise Rafiki und über dreißig Tänzerinnen in wunderbar stilsicher gestalteten Kostümen von Barbara Tkocz die Geschichte des Löwenjungen Simba und der Suche nach seinem Platz im Kreis des Lebens tanzten, da hielt es im Krone-Saal niemand mehr auf den Stühlen. Fidelia-Vorstand Matthias Bühner und Moderator Alexander Pusch dankten den sichtlich bewegten Trainerinnen Anja Ehrenberg, Alexandra Bühner und Daniela Lorenz für einen glanzvollen Abschluss des Jubiläumsjahres.