"Krapfen" oder "Sträubla": Erwartungsgemäß spalteten sich bei der die "Ausgezogenen" betreffenden "Krapfenfrage" die Anwesenden im Gasthof "Zum Frack" in zwei Fraktionen - je nachdem, aus welchem Ort sie stammten.

Bei seinem informativen, sehr anschaulich vermittelten Überblick über die verschiedenen Ausprägungen der oberostfränkischen Mundart war es Hans Blinzler dann auch sehr wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln. Vielmehr freute er sich über die zahlreich eingebrachten, regen Beiträge seiner Zuhörer über einzelne der vielen vorgestellten "Spezial"-Ausdrücke oder eben durch Einbringen ortsüblicher Begriffe.

Eingeladen hatte der Heimat- und Kulturverein (HKV) Steinberg in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Kreis Kronach. Hans Blinzler zeigte dabei die Bedeutung der Mundart für die Identität, das "Sich-selbst-Finden" in einer immer unübersichtlicher werdenden Umwelt ebenso auf wie die Gefahren für die Mundart: Anders als früher, als der Lehrer die Mundart mit den Worten "Sprich schön!" abwehrte, seien heute "die Schulen Bayerns angewiesen, die jeweilige Mundart der Schüler zu pflegen und auch Unterrichtsstunden dafür zu verwenden", unterstrich der für Mundart und Regionalkultur verantwortlich zeichnende Kreisheimatpfleger. Durch frühzeitigen gemeinsamen Schulbesuch in großen Schulen - meist in der Kreisstadt - flache der Mundartgebrauch jedoch leider ab und gerade die schönen typischen "Spezialausdrücke" liefen Gefahr, verloren zu gehen.

Auch sein einleitender, mehr wissenschaftlich ausgerichteter Teil über die Geschichte der Franken und des "Fränkischen" war hochinteressant und brachte für die fast durchweg im Thema "vorgebildeten" Zuhörer viel Neues. Die in der Region der Kreisstadt mit den Nachbargemeinden (Mitwitz "mit Abstrichen") übliche Mundartversion nennt sich "Oberostfränkisch im östlichen Obermaingebiet, Sprachgebiet Kronacher Raum".

Der ehemalige Schulleiter der Maximilian-von-Welsch-Realschule zeigte auf, dass die überwiegende Anzahl von Ausdrücken dieser speziellen Mundart aus dem Mittelhochdeutschen kommt - also vor etwa 700 bis 1000 Jahren die "Haupt"-Sprache im heutigen fränkischen Raum darstellte. Zahlreiche Einflüsse kamen aus Nachbarländern, besonders aus dem Französischen, aber auch aus Jiddisch, Lateinisch und aus der "Gaunersprache" Rotwelsch.

Im zweiten Teil ging es dann "ans Eingemachte": Spezielle Ausdrücke wurden vorgestellt und rege diskutiert - eben nach der Frage "Wie hassdn dess bei euch?". Von "A" wie "annra Gschwistra Kinne", also das Verwandtschaftsverhältnis von Cousins/Cousinen zueinander, über "D" wie "duubln" (= qualmen, dampfen) bis "Z" wie "Zeloud" (Salat) gab es jede Menge Gesprächsbedarf.

Lebhafte Diskussionen

Im dritten Teil des Abends stellte der Kreisheimatpfleger in einem recht lustigen Vergleich besondere Ausdrücke vor, die in den Orten des Oberen Rodachtals teilweise ganz verschieden heißen. Zum Beispiel ist der Semmelkloß in Nordhalben ein "Säweddkluäß" und in Steinwiesen der "Semmlglueß"; in Wallenfels dagegen ein "Glatzkuepf". Da war es nur logisch, dass nach dem - mit großem Beifall bedachten - "offiziellen Teil" des Abends an den Tischen noch lebhafte Diskussionen weiter geführt wurden.

Mundart und Dialekt stellten ein schützens- und erhaltenswertes Kulturgut dar, appellierte der stellvertretende HKV-Vorsitzender Klaus Sesselmann. Er dankte dem Kreisheimatpfleger für seinen interessanten und oftmals auch sehr lustigen Vortrag mit einem Steinberger Heimatbuch. hs