Eckehard Kiesewetter Ebern/Haßfurt — Die Werksfeuerwehr ist nicht weit, wenn am Dienstag, 12. Februar, um 19.30 Uhr im Saal der Firma Valeo (FTE-Saal) die Funken fliegen. Zum Glück geht es nur um ein Bühnenstück. "Biedermann und die Brandstifter" steht auf dem Programm des Theaters Schloss Maßbach, eine brenzlige Parabel um die Vertrauensseligkeit und Unbelehrbarkeit der Menschen im Umgang mit zwielichtigen Gestalten. "Ein Lehrstück ohne Lehre" hat der Autor Max Frisch sein Drama einst genannt.

Fabrikant Gottlieb Biedermann empört sich. Brandstifter machen die Stadt unsicher. Doch eigentlich beschäftigt ihn anderes: Gerade hat er, ziemlich rücksichtslos, einen seiner Angestellten geschasst. Um sein Gewissen zu beruhigen, nimmt er Josef Schmitz in sein Haus auf, einen harmlos auftretenden Hausierer, der früher Ringer war und den jetzt alle für einen der Brandstifter halten. Schmitz darf unter Biedermanns Dachboden ziehen, und bald nistet sich ein zweiter "Untermieter", der Kellner Eisenring, ein. Die beiden machen aus ihrem Vorhaben kein Hehl, bringen gar Benzinfässer ins Haus und lassen sich von ihrem Gastgeber dabei helfen, eine Zündschnur auszumessen. Wenn die beiden wirklich Brandstifter wären, redet der sich ein, dann würden sie doch nicht auch noch ganz offen um Streichhölzer bitten...

Neben "Andorra", das die Maßbacher ebenfalls schon mehrfach in den Kreis Haßberge brachten, ist "Biedermann und die Brandstifter" das meistgespielte Stück Max Frischs. Als Lektüre hat es auch im Deutschunterricht der Schulen einen festen Platz. Ein Kultur-Tipp also für Schüler und Lehrer!

Das Unausweichliche

Jeder ahnt, dass die Geschichte übel ausgehen muss, nur offensichtlich nicht der biedermännische Fabrikant. Das Drama enttarnt die Wehrlosigkeit des gemeinen Mannes gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich im Schilde führen. Ein wenig Zuspruch lullt ein und Drohungen lähmen.

Deutschland hatte Ähnliches 25 Jahre vor der Uraufführung des Stückes erlebt. Damals, im Jahr 1933, hatte Adolf Hitler die Macht ergriffen.

Max Frisch packt den Menschen bei seiner Verantwortung für das, was er tut, aber auch für das, was er nicht tut. Bequemlichkeit, Angst und bewusstes Verschließen der Augen vor Ungemach müssen ins Verderben führen. Auch 60 Jahre nach seiner Premiere, in Zeiten von Rechtspopulismus und neofaschistischen Tendenzen ist das Stück - im Wortsinn - brandaktuell.

In einer Inszenierung von Ingo Pfeiffer spielen Marc Marchand, Susanne Pfeiffer, Anna Schindlbeck, Alexander Bräutigam und Benjamin Jörns. Intendantin Anne Maar mischt per Video als Moderatorin mit.

Am Dienstag, 19. Februar, ist die Maßbacher Inszenierung von "Biedermann und die Brandstifter" auch in der Kreisstadt Haßfurt zu sehen. Der Vorhang hebt sich dann um 20 Uhr in der Stadthalle.