Bad Kissingen — Von insgesamt 2977 Personen, die im Jahr 2014 im Landkreis Bad Kissingen ihren Job verloren haben, rutschten mit 426 Arbeitslosen 14,3 Prozent direkt in Hartz IV ab. Für Gerhard Klamet, den Kreisvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), ist damit der Weg vom Arbeitsplatz zum Hartz IV-Empfänger einfach viel zu kurz.
Nach geltender Rechtslage muss man ein Jahr Beiträge in die Arbeitslosenversicherung innerhalb der letzten beiden Jahre entrichtet haben, um den Anspruch auf normales Arbeitslosengeld erreicht zu haben. Diese Hürde ist für den DGB eindeutig zu hoch. Viele Betroffene hätten zwar gearbeitet und Beiträge gezahlt, auf den Bemessungszeitraum aber eben nicht lange genug, weil sie nur befristete Verträge bekamen oder unstetig beschäftigt waren, schreibt Klamet in einer Mitteilung des DGB-Kreisverbandes.
Überdurchschnittlich negativ betroffen sind laut DGB Leiharbeitnehmer, die ihren Job verlieren. Im Landkreis Bad Kissin gen fanden sich nach Angaben des DGB 98 von 260 entlassenen Leiharbeitnehmern im Jahr 2014 in Hartz IV wieder. Das waren mit 37,7 Prozent mehr als ein Drittel aller in die Arbeitslosigkeit Entlassenen.
Verantwortlich für diese Fehlentwicklung ist für Gerhard Klamet die Aufhebung des so genannten Synchronisationsverbots in der Leiharbeit. Seitdem sei es Leiharbeitsfirmen erlaubt, Leiharbeiter für einen einzelnen Auftrag einzustellen und anschließend wieder auszustellen. Betroffene hätten so praktisch keine Chance, die notwendigen Versicherungszeiten aufzubauen. Der DGB fordert, die Zeit innerhalb der ein Versicherungsschutz aufgebaut werden kann, von derzeit zwei Jahren wieder auf drei Jahre zu erweitern - wie dies bereits vor dem Jahr 2006 galt und im Koalitionsvertrag vereinbart sei. red