Die Zollämter in Deutschland nehmen nicht nur fast die Hälfte aller Steuern im Bundesgebiet ein. Sie bekämpfen auch den illegalen Handel und Schwarzarbeit. Von einer streng hoheitlichen Einnahmeverwaltung, deren Beamte auch in der Freizeit ihre Uniform tragen mussten, hat sie sich heute zur Servicestelle entwickelt.
Das Coburger Zollamt, das mittlerweile zum Hauptzollamt Schweinfurt gehört, besteht schon seit 110 Jahren. Am 31. März 1906 haben die Mitarbeiter den damaligen Neubau am Güterbahnhof mit eigener Eisenbahn-Zollabfertigung bezogen. Anlässlich einer Feierstunde fand gestern Vormittag ein Empfang in den Räumlichkeiten der Schlachthofstraße statt.


28 000 Positionen abgefertigt

"Vor allem danken wir unseren Mitarbeitern, die sich tagtäglich als verlässliche und kompetente Ansprechpartner nicht nur für die hier ansässigen Unternehmen, sondern auch für die Bürger in Coburg, Lichtenfels und Kronach zeigen", sagte Joachim Muhlert, Leiter des Hauptzollamtes Schweinfurt. Zwar ist das Coburger Zollamt mit elf Beamten das kleinste von sechs im Bezirk. Trotzdem hat es im letzten Jahr 28 000 eingeführte Warenpositionen abgefertigt, was 13,2 Millionen Euro an Einfuhrumsatzsteuer und 1,7 Millionen Euro an Zollabgaben bedeutet. Zehnmal so viele Güter wurden im Jahr 2015 im Land der Exportweltmeister von hier ausgeführt.
Schon zu seinen Anfängen hat das Coburger Zollamt im Jahr rund 4100 Pakete abgefertigt. Wurden damals noch Bier, Tabak, Salz und Zucker verzollt, war es später Schwerpunkt für die Lichtenfelser Korb- und die Neustadter Spielzeugprodukte. Mit Entwicklung hin zum Industriestandort werden von Coburg heute größtenteils Produkte aus der Maschinenbau - und Automobilindustrie in die ganze Welt verschickt.
Das Zollamt ist in der modernen Welt angekommen. Wo früher Formulare ausgefüllt und Papiere mit Stempeln unterzeichnet wurden, gewährleistet heute das automatisierte Tarif- und lokale Zollabwicklungssystem (kurz "Atlas") einen schnellen und unkomplizierten Warenverkehr über die deutschen Grenzen hinaus. Das ist auch notwendig, weil vor allem durch Bestellungen über das Internet mehr aus dem Ausland bestellt wird als jemals zuvor.
Im Rahmen des 110. Jubiläums hat das Hauptzollamt Schweinfurt in einer Asservatenkammer des Coburger Zolls Waren aufgereiht, die in den letzten Tagen sichergestellt wurden. "Man glaubt gar nicht, was wir alles finden", sagt Tanja Manger vom Hauptzollamt. Ihr persönlicher Favorit ist eine Spielzeugpistole, die mit Salz befüllt werden kann, um damit auf Insekten zu schießen. Aber auch Drohnen, gefälschte Markenprodukte, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit unerlaubten Zusätzen sind an der Tagesordnung. "Das alles ist bei uns nicht erlaubt", sagt sie. Diese illegalen Importe werden sonst vernichtet, der Empfänger bleibt auf den Kosten sitzen.


Sehr informative App

Um sich vorher abzusichern, gibt es seit dem 11. März die Applikation "Zoll und Post" fürs Smartphone. Mit dieser App kann sich nicht nur jeder einfach und schnell über mögliche Einfuhrabgaben informieren. "Wenn bei einem Produkt gar ein Einfuhrverbot oder Beschränkungen vorliegen, teilt die App das sofort mit", erklärt Tanja Manger. Nach dem Herunterladen kann das Angebot auch offline, zum Beispiel im Ausland, genutzt werden.
Für alle, die eine Nachricht per Post bekommen, dass sie ihre Ware nach Prüfung beim Zollamt abholen können, hat Volker Braun noch einen Tipp: "Lesen Sie genau, welche Unterlagen, beispielsweise die Rechnung, Sie zur Abholung mitbringen müssen." Sonst könne es laut dem Leiter des Zollamtes Coburg passieren, dass der Empfänger viele Kilometer gefahren ist und seine Ware nicht mitnehmen darf.