Viele Kinder wissen noch nicht, was sie nach der Schulzeit mit ihrem Leben anfangen wollen. Hier hakt Zimmermeister Richard Betz alias Paul Ballmer ein. Er tourt mit seinem Theaterstück "Mit Herz und Hand - ein Zimmermann erzählt seine Geschichte" durch Bayerns Schulen.

"Wer nicht studiert, hat schon verloren", zitiert er auch in Mainleus ein gängiges Sprichwort, um es im selben Moment zu kritisieren. "Versteht mich nicht falsch, ich habe großen Respekt vor jedem Akademiker, ich habe selbst studiert. Aber dieser Unterschied, der in der Wertigkeit der Ausbildung gemacht wird, geht gar nicht." Richard Betz erzählt in seinem Theaterstück von einem Meister, der auf der Suche nach einem Lehrling ist und dabei auf seinen eigenen Werdegang zurückblickt. Während er erzählt, baut er aus Holz eine Brücke, ganz ohne Hammer, Nägel oder Schrauben.

Die Mittelschüler lauschen aufmerksam, niemand stört - so geht berufliche Orientierung. "Was kann ich gut? Was interessiert mich?" Betz regt die Gedankengänge an. "Etwas nur für Geld zu machen, reicht nicht fürs ganze Leben."

Er fragt, wer schon einmal etwas gebaut habe. "Einen Stuhl", sagt ein Schüler, "einen Tisch", sagen zwei andere. Einer Dritter weiß sogar schon, dass er einmal Schreiner werden will. "Ich bin froh, einen Beruf zu haben, bei dem ich jeden Tag sehen kann, was ich mit meinen Händen geschaffen habe", so Betz. Und: "Wenn du etwas mit Energie und dem Herzen machst, kannst du viel erreichen."

Er selbst hat Architektur studiert, danach absolvierte er eine Zimmererlehre und gründete vor 30 Jahren seine eigene Zimmerei. Auch Zimmermeister Gerhard Kögel und dessen Tochter Marion sind nach Mainleus gekommen. "Ich bin gerne Zimmerer, das Holz hat Leben, es ist ein schöner Beruf", sagt Kögel. Er ermutigt die jungen Leute, sich gute Grundlagen anzueignen, denn "so gut das Fundament ist, so hoch kann man hinaus bauen."

Dies bestätigt Kreishandwerksmeister Günther Stenglein. Er sei in der Schule kein Musterschüler gewesen, habe aber nach seiner Lehre den Meister gemacht, einen Restauratorenlehrgang absolviert und den Betriebswirt des Handwerks abgeschlossen. "Ich ermutige insbesondere die Mädchen, ganz genau hinzuschauen und sich zu überlegen, ob ein Handwerksberuf nicht auch für sie eine Option wäre", ergänzt Schulleiterin Doris Hörath. up