von unserer Mitarbeiterin katja nauer

Coburg — Einen langen Atem brauchte das Gericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend, weil geladene Zeugen am dritten Verhandlungstag in einem Prozess, bei dem es um gravierende Vorwürfe gegen einen 26-jährigen Coburger geht, nicht erschienen.

Gewürgt und geschlagen?

Der Mann muss sich in zwei Fällen wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung verantworten. Er soll seine Ex-Ehefrau gewürgt und eingesperrt haben. Eine 20-jährige Servicekraft bezichtigt ihn, sie nicht nur bedroht, geschlagen und gewürgt, sondern auch vergewaltigt zu haben.
Einen wichtigen Beitrag erwarteten sich das Gericht und Staatsanwalt Philipp Karr von zwei Zeugen, darunter dem ehemaligen besten Freund des Angeklagten aus Thüringen. Dieser entschuldigte sich jedoch mit dem Hinweis, seine Oma sei erkrankt. Diese sei aber sehr gesund und munter gewesen, als er dort angerufen habe, sagte Geerhard Amend, und zitierte den Mann umgehend ins Gericht.
Auch die zweite Zeugin, eine ehemalige Freundin des Angeklagten aus Berlin, die ihn dort wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, war nicht erschienen. Auf Amends Zusicherung, dass die Kosten für das Taxi aus der Hauptstadt übernommen würden, musste sich die junge Frau dann doch umgehend in Bewegung setzen. Für großen Ärger sorgte allerdings die Tatsache, dass der Taxifahrer die Anweisungen des Richters, auf die Zeugin zu warten, ignorierte und ohne die Frau nach Berlin zurückfuhr.
Am dritten Verhandlungstag hörte das Gericht jene und weitere Zeugen, vor allem um die detaillierte Abfolge der Ereignisse und den Chat-Verkehr zwischen dem Angeklagten, den Frauen sowie seinem ehemaligen besten Freund chronologisch nachzuverfolgen. Weil der Coburger eine gemeinsame Freundin in Berlin vergewaltigt und die Frau ihm davon erzählt habe, habe er mit dem Angeklagten gebrochen, sagte der ehemalige Freund aus.
Deshalb habe er später auch zwei weitere Freundinnen des Angeklagten, darunter die 20-jährige Servicekraft, warnen wollen. Von der Frau aus Berlin, die in Coburg geboren wurde, will der Thüringer ein Foto geschickt bekommen haben, das ihr zerschlagenes Gesicht zeigte.
Gerhard Amend traute den Motiven des Thüringers wohl nicht so ganz: "Sind Sie ein bisschen neidisch gewesen auf den Angeklagten, weil der immer so viele Frauen gehabt hat und Sie nicht?", fragte er. Das verneinte der Zeuge. Sowohl das Foto als auch Teile des Chat-Verkehrs zwischen dem Zeugen und den Frauen lagen dem Gericht bis dato nicht vor. Damit gezielt danach gesucht werden kann, musste der Zeuge seine Internet-Verbindungsdaten offenlegen.

Aussage unter Tränen

Eindringlich befragt wurde die ehemalige Freundin des Angeklagten, die ihn in Berlin wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, wofür der Mann auch zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Die junge Frau schilderte unter Tränen die Szenen, die sich in der gemeinsamen Wohnung des Paares in Berlin abgespielt hatten. Der Angeklagte habe sie beschimpft und sie mit der Faust auf den Kopf, auf die Seite und mit der flachen Hand auch ins Gesicht geschlagen, erzählte sie. Anschließend habe er sie gewürgt, sie an den Haaren gerissen und sie mit einer Zigarette gebrannt. Auch bei der Vergewaltigung habe er sie verletzt, sagte sie aus. Als sie fliehen wollte, drohte er, ihr die Füße abzuschneiden. "Bei ihm lief immer irgendetwas schief im Leben", antwortete die Frau auf die Frage, ob Alkohol eine Rolle gespielt habe.
Die Verhandlung wird am Mittwoch, 25. Februar, um 8.30 Uhr fortgesetzt.