Mit nostalgischem Blick blättert Ulrike Frankenstein in einem Fotoalbum, in dem sie Bilder von ihren Modenschauen archiviert hat. Als Kürschnerin verwandelte sie alte Pelzmäntel zu modischen Accessoires, Decken oder Sitzbezügen. "Mein Beruf ist Berufung für mich, ich stehe mit Leib und Seele dahinter", sagt die 59-Jährige. Nach 35 Jahren gibt sie nun schweren Herzens ihr Geschäft an der Nonnenbrücke in Bamberg auf.

"Als ich damals nach einer Ausbildung suchte, wusste ich selbst nicht, was ein Kürschner ist. Im Prinzip geht es dabei um Flächenarbeit aus mehreren Fellen. Das ist eine sehr aufwendige Technik", sagt Ulrike Frankenstein. Acht Jahre dauerte ihre Ausbildung zur Kürschnermeisterin. Den ersten Teil schloss sie in Bamberg ab, den Meister absolvierte sie in München.

Praktisches Wissen konnte sie im Betrieb Unbehauen in Nürnberg erlangen. Dieser stellte die Pelzprodukte auf Modeschauen, Pelzmessen und Wettbewerben aus und verdiente damit sogar Goldmedaillen. Die vorgeführten Teile wurden anschließend oft von Prominenten gekauft, die in dem Geschäft ein und ausgingen. Darunter auch die Eiskunstläuferin Marika Kilius.

Hunde in Pelzmäntelchen

"Der verrückteste Auftrag als Kürschnerin war das Einkleiden von Hunden in kornblumenblaue Pelzmäntelchen, natürlich passend zum Pelzmantel des Besitzers", erinnert sich die 59-Jährige. Ein weiteres Highlight in ihrer Karriere sei das Anfertigen von Pelzen für die Kühlerfigur "Emily" für einen Rolls-Royce gewesen. Im Alter von 25 zog es sie dann zurück in ihre Heimatstadt Bamberg, wo sie sich schließlich selbstständig machte.

Am meisten gefiel Frankenstein die abwechslungsreiche Zusammenarbeit mit ihren Kunden. "Ich hatte einen treuen Kundenstamm, der mich immer wieder aufs Neue inspiriert hat, wofür ich heute noch dankbar bin." Leider seien viele von ihren Kunden inzwischen verstorben. "Die Zeiten haben sich verändert", sagt die Kürschnerin. "Irgendwann ist einfach der Zeitpunkt, um aufzuhören."

Auch wirtschaftliche Gründe hätten bei der Entscheidung den Betrieb aufzugeben eine Rolle gespielt, die Nachfrage nach Pelzprodukten sei stark gesunken. Einerseits liege dies am immer wärmer werdenden Klima, andererseits habe sich die Wertschätzung von Pelz geändert.

Heute seien Pelzprodukte bei vielen verpönt. "Dabei sind Kürschner keine Unmenschen, sie haben ein kreatives und anspruchsvolles Handwerk gelernt", sagt Frankenstein. Kürschner verarbeiteten keine Felle von geschützten Arten. Zum Großteil werden getragene Pelze von Kunden zu neuen Teilen umgewandelt. "Teilweise sind die Pelze 50 Jahre alt und sie werden danach noch weiter genutzt. Nachhaltiger geht es nicht", sagt die Kürschnermeisterin.

Ein Teil geht an Kolping

Früher habe es circa 30 Schüler pro Schule für den Kürschnerberuf gegeben, heute gibt es nur noch eine mit acht Auszubildenden in ganz Deutschland. "Kürschner ist ein aussterbender Beruf, das finde ich sehr schade", sagt Frankenstein. Den Restbestand an Pelzen wird sie zunächst zu Hause lagern und teilweise an Kolping spenden.

Die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, sei ihr nicht leicht gefallen. "Mein Beruf wird mir immer am Herzen liegen", sagt Frankenstein. "Es war eine schöne Zeit, doch jetzt freue ich mich darauf, etwas Neues auszuprobieren und neue Wege zu gehen." Wie diese genau aussehen, will Frankenstein noch nicht verraten.