Selbst wenn die sechs von der griechischen Polizei festgenommenen Moria-Bewohner das Feuer gelegt haben, ist dies kein Grund, Abertausende im Elend alleine zu lassen. Für eine gesamteuropäische Lösung war nun fünf Jahre lang Zeit. Fünf lange Jahre, in denen Menschen weiter vor Hunger, Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind - trotz der immer menschenverachtenderen Abschottungspolitik (Türkei-Deal, überfüllte Lager, aktive Behinderung der Seenotrettung). Jetzt ist es Zeit zu handeln - Viktor Orbán hin, Andrzej Duda her. Der Bund hat seine Bereitschaft erklärt, einen Teil der Menschen aus dem humanitären Katastrophengebiet innerhalb Europas zu befreien. Dem zuvor kam eine Erklärung von "unten", von zehn deutschen Städten. Nun müssen weitere Kommunen folgen und sagen: Wir sind Europa. Wir verteidigen unsere Werte, indem wir helfen. Wir haben jene Kapazitäten und Erfahrungen. Denn: Sollten unsere Enkel einmal wegen lebensbedrohlicher klimatischer Veränderungen, Armut oder Krieg zur Flucht gezwungen sein - was wünschen wir uns für ihr Leben in der Fremde? Brücken und offene Arme oder Stacheldraht und leere Bäuche?