Eigentlich hatte sich Klaus Karl-Kraus gewünscht, nach dem langen Lockdown die Kulturscheune wieder zum Leben zu erwecken. Doch jetzt sieht es so aus, als ob Klaus Karl-Kraus die idyllische Scheune in Putzenstein nach nur zwei Vorstellungen wieder in den Dornröschenschlaf schicken würde, sinnierte die Initiatorin Monika Kober. Denn das Programm wird erst nach dem Sommer fortgesetzt. Sollten dann wieder Corona-Hygieneregeln greifen, wäre in der Scheune nur Platz für 18 Personen. Und das ist nun einmal zu wenig, um Gagen für Künstler zu bezahlen.

Doch an Inzidenzzahlen wollte man an dem herrlich sonnigen Sommerabend nicht denken. Vor der Kulisse der malerischen Scheune, gleich neben einem Kornfeld, erlebten die Kulturfans einen Klaus Karl-Kraus, wie man ihn bislang nicht kennt. Denn abseits des Franken-Faschings entfaltet der Künstler sein ganzes Potenzial. Karl-Kraus hat so viel mehr zu bieten als die altbekannten Fastnachts-Schenkelklopfer. Er begann mit tiefsinnigen Gedanken zum Thema Zukunft. Schon vor 40 Jahren hatte er in seinem Bühnenprogramm behauptet: "Der Mensch is a Sau."

"Aber wir leben weiter, als ob die Welt uns gehören tätete", urteilte der Kabarettist im fränkischen "fünften" Konjunktiv und wagte gleich noch einen Seitenhieb auf den Katastrophen-Voyeurismus. Karl-Kraus beschwor alte Zeiten herauf und sparte kein Thema aus zwischen Schäuferle-Mausoleum und Partnerwahl. "Wir müssen jetzt alle dahin, wo viele sind, um festzustellen, dass es dort gar nicht so schön ist, wie die sagen, die dort sind."

Karl-Kraus bekannte sich als Clubberer und griff zur Gitarre. Aus dem Beatles-Hit wurde "Yesterday - das Lied über die Pubertät". So unter die Haut gehend haben selbst Fans den Künstler noch nie erlebt: Denn das, was der fränkische "Hundskrüppel" von sich gab, war fränkische Lebenshilfe. Nein, das Leben ist nicht Montessori, war die Botschaft des Abends.