Es ist die größte wissenschaftliche Mitmachaktion, die es in Deutschland gibt. Von Freitag, 8. bis Sonntag, 10. Januar, zählt ganz Deutschland wieder Vögel: Die "Stunde der Wintervögel" wird bereits zum elften Mal vom Naturschutzbund (Nabu) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) organisiert. Vogelfreunde sind dazu aufgerufen, eine Stunde lang alle Vögel zu erfassen, die sie von Wohnung, Haus oder Garten aus beobachten und ihre Ergebnisse zu melden.

Mit der Teilnahme an der "Stunde der Wintervögel" kann jeder mithelfen, eine detaillierte Momentaufnahme der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu ermöglichen. Die erfassten Daten tragen dazu bei, die heimischen Vögel besser zu schützen. 2020 hatten sich an der Aktion mehr als 143 000 Menschen beteiligt. Je mehr sich beteiligen, desto aussagekräftiger wird das Ergebnis.

Experten des Nabu konnten anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelzahlen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu sinkenden Wintervogelzahlen.

Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine durch das Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Blaumeisen zum Opfer fielen. Bei der jüngsten großen Vogelzählung, der "Stunde der Gartenvögel" im Mai, wurden entsprechend weniger Blaumeisen beobachtet. Für die Experten ist es spannend, herauszufinden, ob dieser Effekt im Winter noch spürbar ist.

Dass die winterlichen Gartenvögel zu den beliebtesten Vogelarten Deutschlands gehören, zeigt der Zwischenstand der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres. Mit Stadttaube, Rotkehlchen, Amsel und Haussperling stehen vier Wintervögel in den Top Ten. Auch die Blaumeise auf Rang elf und der Star auf Rang 14 haben noch gute Chancen auf die Stichwahl, die unter den zehn ersten Plätzen stattfindet. Weit über 100 000 Menschen haben bisher ihren gefiederten Favoriten nominiert. Nach der Stunde der Wintervögel beginnt dann ab dem 18. Januar die Hauptwahl unter den Top Ten.

Mitmachen und melden

Mitmachen bei der Stunde der Wintervögel ist ganz einfach: Jeder kann eine Stunde lang die Vögel am Futterplatz, vom Garten, Balkon oder Fenster aus oder im Park zählen und melden. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen vom 8. bis 10. Januar können noch bis zum 18. Januar gemeldet werden.

Gerhard Hübner vom LBV in Coburg erinnert daran, dass auch Naturfreunde bei der Aktion mitmachen können, die keinen eigenen Garten haben. "Es ist durchaus auch möglich, in einem Park oder vielleicht am Goldbergsee eine Stunde lang die Vögel zu erfassen, die man beobachten kann", erklärt er. Dabei könnten sogar interessante Aufschlüsse über Arten möglich sein, die im Garten selten zu sehen sind. So beschäftigt Ornithologen gerade in diesem Jahr die besonders große Zahl an Silberreihern, die sich auch im Coburger Land sehen lässt. Früher war der große weiße Reiher in ganz Bayern ein seltener Gast. Jetzt ist er gerade in der kalten Jahreszeit auf vielen Äckern und Wiesen zu sehen.

Bei den Vögeln, die an die Futterhäuschen kommen, rechnet Gerhard Hübner mit einem Ergebnis, das zeigt, dass viele nicht weggezogen sind, die sonst im Winter gen Süden fliegen. "Ich habe sogar noch Starenschwärme beobachtet", sagt er. Und er hat einen Tipp für den Fall, dass ausgerechnet in der Stunde, in der sich jemand an der Aktion beteiligt, so ein Schwarm in seinem Garten einfällt. Die vielen Vögel zu zählen ist dann nicht möglich. Um doch zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen verrät er, was Wissenschaftler tun, um die Zahl der Individuen in einem Schwarm zu bestimmen. "Wir machen ein Foto und zählen die Tiere dann in Ruhe auf dem Bildschirm.

Beim Thema Futterhaus erinnert Gerhard Hübner an einen Punkt, der zwar nichts mit der Zählaktion direkt zu tun hat, der aber den Vogelschützern aus leidvoller Erfahrung der Vergangenheit sehr am Herzen liegt. "Es ist sehr wichtig, auf die Hygiene zu achten, das Häuschen und das Umfeld immer sauber zu halten", mahnt er. Das Bakterium, das Tausende Blaumeisen das Leben kostete, ist da ein mahnendes Beispiel.