Warum die Halbhöhlen-Landschaft bei Schirradorf etwas Besonderes ist, genauso wie die Markgrafenkirche St.Laurentius oder der Friedrich-Taubmann-Brunnen in Wonsees, darüber informieren jetzt neue Infotafeln im blauen Einheitslook der Fränkischen Schweiz. Sie wurden, wie die Verwaltungsgemeinschaft Kasendorf mitteilt, durch ein europäisches Leader-Projekt der Landkreise Forchheim, Bayreuth, Bamberg, Kulmbach und Lichtenfels finanziert. Das Projekt trägt den Titel "Fränkische Schweiz - Qualitätswanderregion mit starkem Kultur- und Gesundheitsprofil". Ausgehend von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Kulmbacher Land durften die Gemeinden im Landkreis ihre Hauptattraktionen auswählen. Ähnlich wie in Kasendorf im Juli ist das Kulturinventar nun auch in Wonsees abgeschlossen. Alle fünf Tafeln wurden von Bauhof-Mitarbeitern aufgestellt.

Studierende verfassen Texte

Die Sehenswürdigkeiten der Bayreuther Markgräfin Wilhelmine in Sanspareil durften natürlich nicht fehlen. Der Studentin Lisa Maria Thiereth vom Institut für Fränkische Landesgeschichte kam die schwierige Aufgabe zu, die umfassende Geschichte von Burg Zwernitz, Morgenländischem Bau, Felsengarten und Naturbühne in einem kurzen Text von nur etwa 2000 Zeichen zu erzählen. Den Text zu den drei Kneippanlagen im Gemeindegebiet verfasste die Studentin Katharina Then. Die Infotafel ist an der Kneippanlage in Wonsees aufgestellt.

Denkmal zu Zedersitzer Mord

Um die Infotafel zur Markgrafenkirche St. Laurentius zu erreichen, muss man die Stufen zum Kircheneingang erklimmen. "Der Standort auf dem Hügel sowie die in Teilen erhaltene, anderthalb Meter dicke Einfassungsmauer deuten darauf hin, dass sie den Einwohnern als Rückzugsort im Kriegsfall diente, als sogenannte Wehrkirche", schreibt die Studentin Bonnie-Sue Paschke. Neben der historischen Orgel aus dem Hause Weineck und dem detailverliebten Kanzelaltar im Markgrafenstil, widmet sie sich auch dem Denkmal zum "Zedersitzer Mord". Im Dreißigjährigen Krieg riefen Einheimische zum Widerstand gegen kaiserliche Truppen auf. 15 Männer aus der Ortschaft Zedersitz wurden dabei getötet.

Berühmter Sohn der Gemeinde

Nicht weniger spannend ist das Leben und Wirken des im Jahr 1565 in Wonsees geborenen Literaten Friedrich Taubmann. Sein großes sprachliches Talent ermöglichte dem Handwerkersohn einen akademischen Werdegang. Taubmann wurde an der Universität Wittenberg zum Professor der Poesie ernannt. "Das Multitalent Friedrich Taubmann war einer der berühmtesten Literaten des 17. Jahrhunderts", schreibt die Studentin Kimberley Wegner auf ihrer Infotafel. Sie steht am Marktplatz in Wonsees, direkt neben dem Denkmal für den Künstler. Im Jahr 2001 erschuf der Hollfelder Künstler Christian Degen aus Sandstein einen Brunnen, in dessen Mitte die Büste Taubmanns thront.

Balmenflur bei Schirradorf

"Uns war es wichtig, dass auch die weniger bekannten Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Beachtung bekommen", sagt der Wonseeser Bürgermeister Andreas Pöhner. So habe man auch eine besondere Landschaftsform nahe der Ortschaft Schirradorf ausgewählt, die sogenannte Balmenflur. Das Gebiet um den Schwalbenstein ist durch Halbhöhlen gekennzeichnet, die historisch als Viehunterstände dienten. Das umliegende Flora-Fauna-Habitat-Gebiet "Schwalbenstein" ist seit 2007 Bestandteil des europaweiten ökologischen Netzes "Natura 2000". Die Texte auf der zugehörigen Infotafel verfasste die Umweltjournalistin Adriane Lochner in Zusammenarbeit mit dem Höhlenexperten Nils Bräunig.

Rundwanderweg zu Sehenswürdigkeiten

Wer sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Wonsees an einem Tag ansehen möchte, kann sich auf die Große Wonsees-Erlebnisrunde begeben, einen 11,3 Kilometer langen Rundwanderweg, der von Schirradorf aus an allen drei Kneippanlagen vorbei bis nach Wonsees und Sanspareil führt. Die Markierungssymbole, die die weiße Silhouette der Burg Zwernitz auf blauem Grund zeigen, werden derzeit angebracht.

Weitere Informationen findet man auf der Website der Gemeinde www.wonsees.de. Die Infotafeln zum Kulturinventar für die Fränkische Schweiz sollen künftig auch auf einer eigens dafür eingerichteten Website vertreten sein. red