Zum Artikel "Der Mais ist bereit für die Ernte" vom 16. September:

Der Landwirtschaft in unserer Region kommt eine wichtige Bedeutung zu. Wir leben in einer Kulturlandschaft, die noch von vielen verantwortungsvoll handelnden Landwirten geprägt wird. Auch uns Kunden fällt Verantwortung zu, da unser Kaufverhalten Einfluss auf die Lebensbedingungen von Rind, Schwein, Huhn &C o. nimmt und wir die Arbeit eines Landwirtes mitbeeinflussen.
Die Landwirtschaft steht bei manchen Themen öfter zu Unrecht als alleiniger Sündenbock in der Kritik. Dies trifft sicher teilweise auch beim Thema Mais zur Biogasgewinnung zu, wenn man die Energiewende umsetzen will. Die Art und Weise, wie gegen die Kritik am Maisanbau mit einer Charmeoffensive von BBV-Präsident Hermann Greif argumentiert wird, lässt den Betrachter dann doch staunend zurück.
So sollen Maisäcker nach der Saat einen "Lebensraum mit offenem Boden" bieten. Wer soll denn dort bitte leben? Gerade Feldvögel wie Rebhuhn und Feldlerche sind deswegen gefährdet. Da wird behauptet, dass der bedrohte Kiebitz, der ein Bewohner von Dauergrünland ist, bis zur Ernte Deckung im Maisfeld fände. Wo findet er Deckung, nachdem ein Maisfeld abgeerntet ist? In Hecken oder Ackerrandstreifen, die leider zunehmend verschwinden?
Dem berechtigten Vorwurf der Jäger, Mais fördere die Vermehrung der Wildschweine, begegnet Herr Greif mit Beispielen aus Regionen Nordbayerns, in denen weniger Mais angebaut wird, aber höhere Populationen vorzufinden sind. Leider wird nicht gesagt, dass der Klimawandel mit milden Wintern neben dem Mais dazu beiträgt.
Machen wir uns nichts vor! Der Mais wird auch in Zukunft eine wichtige Energiepflanze für die Landwirtschaft spielen. Ich würde mir aber wünschen, wenn die nächste Charmeoffensive des Herrn Greif einmal den Flächenverbrauch und den Verlust von Ackerland thematisiert.
Wo wird der Supermarkt bei Weilersbach stehen? Auf einem Maisfeld. Wie viel Fläche wird der Landwirtschaft beim möglichen Bau der "großen Lösung" der Ostspange verloren gehen? Beim wem wird die Kasse klingeln, wenn die Äcker für den Straßenbau verkauft werden? Wo gehört der Mais dann hin? In den Tank oder auf die Teller?
Christian Kiehr
Ebermannstadt