Wenn man die versteinerten Reliefspuren auf der Schieferplatte betrachtet, denkt man eher an die Fußspuren eines Vogels, eines Truthahns vielleicht. Oder war es gar ein urzeitlicher Drache? "Weit daneben", klärt uns Finder und Sammler Ralf Mohr auf, der sich seit vielen Jahren mit Gesteinen des Erdaltertums beschäftigt und mit seinen Funden nun plötzlich bei Paläontologen international "einen Namen" hat. Das Tier, dessen tunnelförmige, segmentartige Fressgänge auf der Suche nach Nahrung im Schlamm auf dem Meeresboden als Versteinerung erhalten sind, war ein relativ großer Wurm von circa einem Zentimeter Durchmesser. Und zwar einer, den man bisher nicht kannte. Darüber sind sich die begutachtenden Wissenschaftler einig, die sich mit Funden aus dem Unterkarbon-Zeitalter beschäftigen. Es muss schon ein besonderer Wurm gewesen sein, allein von der Größe her. Er konnte sich vorwärts wie rückwärts bewegen; seine horizontal verlaufenden Vorratstunnel legte er wahrscheinlich an, um später auf Nahrungssuche wieder zurückzukehren, und füllte sie "nach Gebrauch" mit verdichteten Ausscheidungen. Vor circa 335 Millionen Jahren spielte sich das ab.

Bisher weltweit einzigartig

Das 34 x 24 Zentimeter große "Ichnofossil", um das es hier geht (Spuren-Versteinerung, im Gegensatz zu Körper-Fossilien), ist bisher weltweit einzigartig. Damit wird wie üblich der Name des Finders in die Bezeichnung aufgenommen und wird so künftig international "Segmentichnus mohri" genannt - nach seinen segmentförmigen Gangspuren sowie dem Nachnamen des Finders, Mohr.

Einen Zufall kann man den Fund aber nicht nennen, erläutert Ralf Mohr, zu Recht stolzer Namensgeber. Immer wieder hatte er in dem stillgelegten Steinbruch in der Gemarkung Nordhalben einfachere Versteinerungen gefunden und dafür eine kleine private Sammlung angelegt. Alles dort zu Bewundernde wird nun "überstrahlt" vom "Segmentichnus mohri" - wenn man die ganze Geschichte kennt.

Dem engagierten Sammler war damals sofort bewusst, dass er etwas Besonderes aus einem von der Wand gebrochenen riesigen Schieferbrocken geborgen hatte. Auch als Laien war ihm die eigentümliche Form und Verzweigung der Gänge aufgefallen.

Die erste Idee, es könnten Pflanzenspuren sein, widerlegte sein Sammlerfreund Martin Weber aus Ludwigsstadt schnell, der wusste, dass solche im Karbonschiefer des Fränkisch-Thüringischen Schiefergebirges äußerst unwahrscheinlich seien.

Nicht aufgegeben

Obwohl ihn auch sechs Jahre dauernde Nachforschungen nicht weiterbrachten, gab Mohr nicht auf. Er fragte sich schließlich bis zu Prof. Gerd Geyer von der Universität Würzburg durch, der dort den Lehrstuhl für Geodynamik und Geomaterialforschung innehat. Und da hatte er den Richtigen gefunden: Unermüdlich befragte Geyer seine Forscherkollegen im In- und Ausland - und interessanterweise kannte niemand eine vergleichbare Fossilie.

Jetzt auch international bekannt

Um aber in angesehenen wissenschaftlichen Schriften über den bemerkenswerten Fund berichten zu können, müssen vorher Expertisen angefertigt werden. Und dazu wiederum wurde mit Alfred Uchmann von der Uni Krakau ein Spezialist unter den Experten gefunden, der sich genau mit Lebewesen des betreffenden Zeitalters beschäftigt.

Zusammen mit Prof. Geyer führte Uchmann eingehende Untersuchungen am Objekt durch. Das alles dauerte natürlich, doch nun, zehn Jahre nach dem Fund, ist es so weit: Der "Segmentichnus mohri" wurde vor wenigen Wochen dank Veröffentlichung in der renommierten US-Fachzeitschrift "Ichnos" auch international bekannt, und damit auch der Fundort und die geologische Situation um die Marktgemeinde Nordhalben. Und natürlich wird auch mehrfach der "Franconian Forest" genannt, unser Frankenwald.

"Keine großen Umstände" will Ralf Mohr aber wegen seines wissenschaftlich so bedeutenden Fundes. Für ihn ist es Dank und Anerkennung genug, wenn er das "gute Stück" in seiner Sammlung anschaut und dabei über das Leben an sich und den Weg unserer Erde bis zum heutigen Zustand nachdenkt. Es ist ihm dabei wohl bewusst, dass er der Wissenschaft geholfen hat, ein zumindest bisher einzigartiges Beweisstück aus viele Millionen Jahre alter Erdgeschichte zu erhalten. Hätte er mit seinem erfahrenen Sammlerblick nicht das Objekt in einem Meer von unbrauchbaren Schieferbrocken entdeckt, hätte die Natur schon bald durch immer wieder herabstürzendes Gestein, spätestens aber in den nächsten Frostperioden das ungeschützt auf dem Grund des Steinbruchs liegende Spurenfossil zerstört.

Das von der Gemeindeverwaltung als Eigentümer der Anlage aufgestellte Verbotsschild sollte übrigens unbedingt beachtet werden: Dort besteht - zumindest hinter der Absperrung - tatsächlich Lebensgefahr.