Im Alter von 70 Jahren ist Johann Pfister am vergangenen Freitag, 24. Juli, gestorben. 24 Jahre lang, vom 1. Mai 1996 bis zum 30. April 2020, hatte Johann Pfister als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Bischberg geleitet. Von 2008 bis 2020 war er Stellvertreter des Bamberger Landrates.

Als Bürgermeister durfte Pfister bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres aus Altersgründen nicht mehr kandidieren, zum einfachen Gemeinderatsmitglied ließ er sich jedoch noch einmal wählen. Im Jahr 1984 hatte er seine politische Karriere mit dem Einzug in den Gemeinderat gestartet.

Schon der junge Johann Pfister war ein echter Praktiker und machte als solcher bei der Firma Bosch eine Ausbildung zum Mechaniker. Pfiffig und zielstrebig wagte er dann den Sprung auf die Fachhochschule, die er als Ingenieur verließ und im Anschluss den Titel Diplom-Ingenieur an der TU Berlin erwarb. Nach der Beschäftigung bei der Kraftwerksunion Erlangen folgte ein Referendariat, die Einstellung als Studienrat und eine Karriere im Schuldienst, die zuletzt in die Position des stellvertretenden Schulleiters an der Berufsschule I in Bamberg mündete - und von der politischen abgelöst wurde.

In den Kreistag wurde Johann Pfister 2002 gewählt. Bis 2008 war er Bürgerblock-Fraktionsvorsitzender, dann zwei Perioden lang bis April 2020 einer der zwei Stellvertreter des Landkreischefs. Im Jahr 2009 wurde Pfister mit der Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung ausgezeichnet. Pfister ging voll und ganz in seiner Arbeit auf. Sitzungen drückte er in seiner unverwechselbaren Art Stempel auf. Seine Aussprüche waren nicht selten meinungskräftig, direkt, markig. Für Urlaub und Hobbys nahm er sich wenig Zeit; sportlich mischte er bei der Kreistags-Elf mit, früher als Spieler, später als Coach.

Investiert und Schulden abgebaut

Als größte Erfolge Johann Pfisters aus seiner Amtszeit als Bischberger Bürgermeister sind zu nennen: die Generalsanierung der Grundschule und des Rathauses, die Sanierung und Erweiterung der Eigenwasserversorgung, die Wiederbelebung des Industriegebietes Trosdorf und die Schaffung von Bauland durch die Ausweisung diverser Neubaugebiete. Die Verschuldung der Gemeinde Bischberg konnte in seiner Zeit trotz der vielen Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich fast komplett zurückgeführt werden.

Neben seiner Arbeit in der Politik hatte sich Johann Pfister unter anderem als Vorstand der Arbeiterwohlfahrt engagiert. Erst am 15. Mai hatte er seinen runden Geburtstag gefeiert. Politische Weggefährten reagierten am Wochenende bestürzt auf die traurige Nachricht. Landrat Johann Kalb sagte zum Tod seines ehemaligen Kollegen: "Ich bin zutiefst erschüttert über den plötzlichen Tod meines ehemaligen Stellvertreters Johann Pfister. Politik und Gesellschaft verlieren einen wahrhaften Demokraten und Aktivposten. Ich verneige mich in tiefer Trauer und großer Dankbarkeit vor einem treuen Wegbegleiter. Meine herzliche Anteilnahme gilt seiner Frau und seinen Kindern. Der ganze Landkreis ist mit der Familie von Johann Pfister in großer Trauer verbunden."

Pfisters Amtskollege als stellvertretender Landrat und langjähriger Bürgermeisterkollege Rüdiger Gerst (Kemmern) beschrieb Johann Pfister als Menschen, mit dem er eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Gerst erklärte tief betroffen: "Die Politik des Bamberger Raumes verliert durch seinen viel zu frühen Tod einen wertebewussten Charakterkopf, wie es nur noch wenige gibt."

Pfisters AWO-Weggefährte Klaus Stieringer postete: "Mach's gut mein Freund. Ich erinnere mich an unzählige gemeinsame Momente mit diesem einzigartigen Charakterkopf, unglaublich engagierten und unbeschreiblich sympathischen Menschen. Du wirst uns allen fehlen!" Ein Beisetzungstermin wurde bis gestern Abend noch nicht bekannt.