Als frisch nach Coburg Gezogener stelle ich mir eine Frage: Ist das bloße Abbilden eines Menschen dunkler Hautfarbe herabwürdigend? Eine Beleidigung? Gar rassistisch? Ich glaube nicht. Wäre das so, dürften ich und Millionen anderer Basketball-Fans auch keine Poster von Michael Jordan aufhängen. Das ich sicher nicht aufhängen würde, um den Mann zu beleidigen, sondern aus Bewunderung, weil er der beste Basketball-Spieler seiner Zeit war, vielleicht sogar aller Zeiten. Und verhält es sich mit dem Mohren nicht genauso? Immerhin ist er seit 1430 Schutzpatron der Stadt - wer sollte den beleidigen wollen, dessen Schutz er sich erhofft? Generell werden diese Diskussionen falsch geführt. Sie ändern nichts am alltäglichen Problem des Rassismus, und sie kommen immer wieder auf, wenn, wie zuletzt mehrfach in den USA, Menschen mit dunkler Hautfarbe Schlimmes erleben, gar umgebracht werden. Und auch dann wird selektiv diskutiert. Wie oft hat man in Deutschland im Zusammenhang mit der "Black Lives Matter"-Bewegung das Wirken Martin Luthers kritisch hinterfragt? Der Luther, der 1543 in seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" dazu aufrief, ihre Synagogen niederzubrennen und ihre Häuser zu zerstören. Reichen Luthers unbestreitbare, historische Leistungen aus, um seinen Antijudaismus nicht oder nur kaum zu thematisieren? Rassismus ist ein alltägliches Problem, was sich zuletzt nicht nur in deutschen Polizeibehörden gezeigt hat. Aber um ihn dauerhaft zu bekämpfen, braucht es auch eine dauerhafte Diskussion - und keine, die sich periodisch an einzelnen Symbolen abarbeitet. Wir haben wahrlich andere Probleme, besonders im Jahr 2020. Vielleicht ist es da sogar ganz gut, einen sichtbaren Schutzpatron zu haben...