von unserem Mitarbeiter Peter Groscurth

Hirschaid — Die Marktgemeinde Hirschaid mit ihren rund 12 000 Einwohnern rückt bald schon in den Fokus der großen bayerischen Landespolitik. Grund: Von 27. bis 28. Juni findet im hochmodernen Energiepark der 66. Parteitag der Bayern-SPD statt. 300 Delegierte strömen dann nach Oberfranken, beschäftigen sich dort mit Zukunftsthemen, um ihre Partei fit zu machen.
Damit das hochrangig besetzte Treffen reibungslos abläuft, sitzen derzeit die Macher zusammen und planen eifrig jedes noch so kleine Detail. Die SPD-Politiker Jonas Merzbacher, Horst Auer und Dirk von Elk aus der Region sowie Rainer Glaab von der Landesleitung der Partei studieren im Foyer des Energieparks die Lagepläne und gehen dabei auch den Ablauf für den Parteitag Punkt für Punkt durch. Merzbacher, Bürgermeister von Gundelsheim und Chef der Sozialdemokraten von Bamberg-Forchheim, legt Wert darauf, dass alle Bürger den Parteitag in Hirschaid hautnah verfolgen können: "Wir wollen transparent sein und kapseln unsere Delegierten nicht ab." Jeder kann vorbeikommen und verfolgen, welche Beschlüsse diskutiert und verabschiedet werden. Im Internet läuft ebenfalls ein Livestream der Reden und es ist möglich, online Fragen zu stellen, ergänzt Glaab.

Erfolgreiche SPD-Bürgermeister

Rund um Hirschaid sind trotz Online-Übertragung die Zimmer knapp, denn zu den Delegierten werden 200 weitere Gäste erwartet. "450 Zimmer haben wir in der Region gebucht", verrät Horst Auer. Ein echter Kraftakt, da am letzten Juni-Wochenende auch ein Kongress im nahen Bamberg für ausgebuchte Hotelzimmer sorgt. Laufend stehen die Organisatoren in Kontakt, feilen am letzten Schliff, tauschen Infos aus, wer sich um das Besteck kümmert oder welcher Metzger für das Catering sorgt. Größte Herausforderung: der Parteiabend am Samstag. "Hier dürfen alle sich auf echt fränkische Spezialitäten wie Spanferkel freuen", verrät Merzbacher lächelnd. Und auf die Hits der Band TriPles.
Wo aber hat sich Franken im politischen Programm des Parteitages versteckt? Hier muss Glaab nicht lange überlegen. Schließlich werden viele Kommunen und Großstädte im Norden Bayerns von roten Bürgermeistern regiert - Nürnberg, Bamberg, Fürth, Erlangen oder Coburg sind hier nur einige Beispiele, die Glaab genüsslich aufzählt: "Die Sozialdemokratie hat eine lange Tradition in Franken und unsere erfolgreichen Oberbürgermeister prägen mit ihrer Politik ihre Städte. Die SPD will immer auch öffentlich gestalten und nicht nur privatisieren."
Warum aber bleibt die Partei dann bei den Landtagswahlen regelmäßig hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück? Merzbacher glaubt einen der Gründe dafür zu kennen. Nicht ohne Selbstkritik sagt er: "Den Sozialdemokraten fehlt es im Freistaat oft ein wenig an Selbstbewusstsein. Wir sind eben keine Stammtischpartei. Genau darüber gilt es auch in Hirschaid zu reden und zu debattieren."

Bezahlbarer Wohnraum

Aber das ist längst nicht alles - auf die Delegierten wartet schließlich ein dickes Antragsbuch mit 360 Seiten an geballten politischen Argumenten und Vorschlägen. Glaab: "Ein Riesenthema des Parteitags ist bezahlbarer Wohnraum. Das ist eine Forderung, die nicht nur für Menschen aus München interessant ist, sondern auch etwa Bamberger betrifft."
Florian Pronold, Bayerns SPD-Chef, hat eine klare Vorstellung, wie er seine Partei in Hirschaid positionieren möchte. "Unser Ziel ist es, bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit der SPD zu brechen", erklärt Glaab dazu. Eine echte Mammutaufgabe, an der allerdings schon viele von Pronolds Vorgänger gescheitert sind. Aber wer weiß, vielleicht ist der Energiepark Hirschaid ja Motto für die Partei, und mit frischen Kräften finden die Genossen dann plötzlich in die so lange vermisste Erfolgsspur.