Die Anfahrt nach Kloster Banz war an diesem Mittwoch nur über Unnersdorf möglich. Diesen Weg musste auch das Dienstfahrzeug des Bayerischen Staatsministers für Umwelt und Verbraucherschutz Thorsten Glauber (FW) nehmen. Ab dem Kreisverkehr in Bad Staffelstein  galt Einbahnstraßenverkehr bis rund um Kloster Banz, die demonstrierenden Bauern stellten ihre Schlepper ab Ortsausgang Unnersdorf auf der rechten Straßenseite bis hoch zum Klosterportal auf, weitere parkten vor der Mainbrücke auf den Wiesen rechts und links der Straße. Autoparkplätze waren nach Kloster Banz in Richtung Weingarten ausgewiesen. Bei Temperaturen von minus zwei Grad etwas ungemütlich.

"Wir wollen wieder ein Zeichen setzen und dafür brauchen wir euch alle! Unser Ziel ist es, Umweltminister Thorsten Glauber  die bayerischen Forderungen   vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung zu überreichen und in einem Gespräch auf die Situation in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen." So lautete der Aufruf an die Landwirte.

Tausende Landwirte demonstrieren zurzeit in Bayern. Sie legen mit ihren Traktoren den Verkehr in den Großstädten lahm, in Bayreuth und Würzburg wurden je um die 1000 Teilnehmer gezählt, in München waren es doppelt so viele. Ihr Protest richtet sich gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, zudem beklagen sie "Stimmungsmache" gegen Bauern. Am Mittwoch nutzten die Landwirte erneut ihre Chance zum Protest: Umweltminister Glauber war Gastredner beim Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Kloster Banz.

Erster Protest im September

Bereits im September hatten sich Landwirte auf Kloster Banz bei der CSU-Klausurtagung versammelten. Sie protestierten gegen die aktuellen politischen Entwicklungen, die das Leben der Landwirte immer schwerer machten. Sie mahnen gegen die steigende Auflagenflut, gegen die überzogene Bürokratie, gegen Dumpingpreise für die qualitativ hochwertig erzeugten Produkte, gegen eine unfaire Handelspolitik. Was früher in der Landwirtschaft als selbstverständlich galt, wird immer mehr zum Problem. Viele potenzielle Nachfolger überlegen, ob sie den Hof noch übernehmen wollen. Das schlechte Ansehen in der Gesellschaft lässt sie davor zurückschrecken. "Mittlerweile wird man nicht mehr als Landwirt, als Ernährer der Bevölkerung, sondern als Verbrecher, der seine Tiere misshandelt, der die Umwelt zerstört und vergiftet, angesehen", äußerte sich ein Teilnehmer. "Deutsche Politiker zerstören deutsche Familienbetriebe - warum?" Dies war nur eine der Aufschriften auf den Plakaten. "Lieber Politiker, mach Politik mit Sachverstand!" hieß eine andere, oder: "Erst wenn der letzte Landwirt zu Tode reguliert wurde, dann werdet ihr feststellen, dass Medien, Influencer und Politiker nichts Lebensnotwendiges herstellen." Das im September von der Bundesregierung verabschiedete Agrarpaket ist weiterhin der Hauptkritikpunkt der Landwirte, die sich in der Bewegung "Land schafft Verbindung" zusammengetan haben. Bundesweit zählt sie etwa 16 000 Mitglieder. Diese bezweifeln die Umsetzbarkeit der neuen Düngeverordnung und beklagen das Mercosur-Abkommen, das die Bundesregierung ratifizieren will, das aber ihrer Meinung nach durch Billigimporte der Mercosur-Staaten (Anmerkung der Redaktion: die südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay)  die Versorgung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln gefährdet. Die Landwirte fühlen sich ungerecht behandelt:  "Wir sind die Buhmänner der Nation, wir sind die Umweltvergifter und die Tierquäler. Aber essen will jeder jeden Tag - und das immer billiger", formulierte ein Demonstrationsteilnehmer die Situation, in der sich die Landwirte sehen.