Die Handballer der HSG Rödental/Neustadt sorgten zu Saisonbeginn in der Landesliga für Furore. Nachdem sie zwischenzeitlich sogar die Spitzenposition eroberten, steht das Team inzwischen auf dem sehr guten 4. Tabellenplatz. Wir haben mit den Verantwortlichen des Fusionsverein gesprochen, die ihre Klub-Philosophie erklären.

Ganz besonders stolz sind Claas de Rooij (39 Jahre) und Daniel Metz (32), die aktuell beide gemeinsam die Abteilungsleitung bilden. Beide sind noch als Spieler aktiv und Claas de Rooij ist zudem noch Jugendleiter. Das Duo ist besonders auf "einen stabilen Kern" an Spielern stolz, die seit vielen Jahren mit einer großartigen Einstellung vorangehen würden und sich auch organisatorisch im Verein beteiligen.

Hallo Herr Metz, wie sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden in der Landesliga zufrieden und welche Ziele verfolgen Sie mit der 1. Mannschaft in dieser Saison?

Daniel Metz: Mit drei Siegen aus den ersten drei Spielen haben wir als Aufsteiger natürlich einen super Auftakt hingelegt. In den darauffolgenden Partien hatten wir leider einige Ausfälle und konnten diese Serie nicht ausbauen. Dennoch, wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass unser Konto nach sechs Spieltagen 7:5 Punkte aufweist, dann hätten wir das sofort so genommen. Wir wollen gerne die Klasse halten. Bei vier direkten Absteigern plus einem Relegationsplatz bei zehn Mannschaften, ist die Konkurrenz um die Plätze in dieser Spielzeit sehr groß. Weiterhin verfolgen wir immer das Ziel unsere Spieler und die Mannschaft in allen Belangen weiterzuentwickeln.

Herr de Rooij, wie gelingt es der HSG immer ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, die in der Landes- oder Oberliga konkurrenzfähig ist?

Claas de Rooij: Ein ganz wichtiger Punkt ist für uns das Miteinander und die Identifikation eines jeden mit der Mannschaft und der HSG. Wir sehen uns als Verein in der Position, dass wir unseren Aktiven inklusive Trainern die sportlichen Ziele, die sie sich selbst stecken, organisatorisch ermöglichen. Handball im Amateurbereich ist Breitensport und da steht der Spaß an der sportlichen Betätigung im Vordergrund. Unsere Jungs bezeichnen sich gerne als ambitionierte Hobbyhandballer, da sie bereit sind ein gesteigertes Engagement für ihr Hobby zu zeigen. Über freundschaftliche Kontakte kommen so immer mal wieder Spieler dazu, diese Einstellung teilen und Teil der Truppe werden wollen. Darüber sind wir sehr dankbar.

Weiterhin ist bei uns jeder Willkommen und so kommen auch immer mal wieder Spieler, die ihre Schuhe bereits an den Nagel gehängt haben, zum Training, um Spaß am Handball zu haben und helfen teils sogar bei personellen Engpässen aus. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass es gelingt, wieder durchgehend Jugendteams in allen Altersstufen zu haben, um im Erwachsenenbereich dann davon profitieren zu können. In der Entwicklung der Jugendarbeit sehen wir eine unserer Hauptaufgaben. Jetzt und in der Zukunft.

Welcher organisatorischer und finanzieller Aufwand steckt dahinter? Mit welchen Mitteln wird Amateur-Handball in der Region inzwischen betrieben? Gibt es auch Aufwandsentschädigungen für Spieler?

Daniel Metz: Organisatorischen Aufwand hat man immer. Bürokratische Themen, Spielpläne, Material und Ausrüstung für die Mannschaften, Auswärtsfahrten usw. und natürlich die Heimspieltage inklusive Catering, die für die Finanzierung des Vereinsgeschehens und Spielbetriebes sehr wichtig sind. Aufwandsentschädigungen bzw. Übungsleiterpauschalen gibt es, wie es in sehr vielen Sportarten üblich ist, für die Trainer, da diese durch ihre Vorbereitungen und die Verantwortung einen Mehraufwand haben. Weiterhin bieten wir unseren Übungsleitern die Möglichkeit an Fortbildungen teilzunehmen, indem wir die Kosten übernehmen und beschaffen das gewünschte Trainingsmaterial. Für uns ist es wichtig, dass vom vorhandenen Budget möglichst alle etwas haben, sei es durch Vereinsveranstaltungen, gemeinsame Unternehmungen, Abschlussfahrten, Sportkleidung etc. Hier sehen wir die "Entschädigung" für die Aktiven, wenn man denn überhaupt von einer "Entschädigung" sprechen kann, wenn es darum geht sein Hobby auszuüben.

Gibt es überhaupt noch Sponsoren?

Claas de Rooij: Die meisten Unternehmen unterstützen uns mit dem Schalten von Werbung auf Bannern in der Halle oder auf den Trikots oder der Aufwärmkleidung. Wir sind sehr froh und dankbar darüber, dass wir einen Stamm an Sponsoren und Partnern haben, die sich seit Jahren treu bei uns engagieren und ein Verhältnis der gegenseitigen Unterstützung besteht.

Ist es schwierig geworden neben dem HSC Coburg zu existieren, weil viele Sponsoren nur noch den großen Sport unterstützen?

Claas de Rooij: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Der HSC ist das Aushängeschild des Handballs in der Region. Dort wird seit Jahren unter professionellen Strukturen gearbeitet und diese stetig versucht weiter voranzutreiben, damit man sich im deutschen Profihandball etablieren kann. Dass dort enorme Summen aufgewendet werden müssen, ist auch klar. Der Handball als Breitensport hingegen benötigt da logischerweise sehr viel weniger, ist aber natürlich auch über jeden Euro froh, den man mehr zur Verfügung hat, um sich weiterzuentwickeln. In Konkurrenz steht man hier mit dem Aushängeschild aber keinesfalls. Auch wir profitieren von diesen Strukturen, wenn beispielsweise Spieler zu uns stoßen, die bereits unter diesen Bedingungen in Coburg Erfahrungen sammelten.

Die Fragen stellte Christoph Böger