Die Vorverlegung der Christmette um eine halbe Stunde in der Höchstadter Stadtpfarrkirche scheint den Besucherzahlen keinen Abbruch zu tun. In der Heiligen Nacht jedenfalls war das Gotteshaus voll mit Gläubigen, um die von Dekan Kilian Kemmer und Pfarrvikar Dominik Syga geleitete Feier mitzuerleben.

Darüber zeigte sich der Dekan mehr als überrascht, war doch die Messfeier am Spätnachmittag "doppelt so gut besucht wie die nächtliche Mette". Und auch die vom Flötenchor des Höchstadter Spielmannszuges und Katharina Heilmann an der Orgel musikalisch umrahmte Kindersegnung am frühen Nachmittag füllte das Gotteshaus, berichtet das Pfarramt.

Stilvoller Festsaal

Zu einem sehr stilvoll gestalteten Festsaal verwandelte das neue Mesnerteam der Pfarrei die neu renovierte Kirche. Die Musik tat auch in der Christmette dann noch das Übrige: die Stadtkapelle unter der Leitung von Georg Römer und Wolfgang Först an der Orgel.

Wie vor zweihundert Jahren erklangen zwei Gitarren, um das Lied der Lieder "Stille Nacht" zu Gehör zu bringen, gespielt von Georg Scheer und Michael Nitsche von der Höchstadter Mussiggfabrigg. Gänsehaut pur.

Dazu brachte die Jugendliche Franziska, die seit Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen ist, das Jesuskind in der Krippe zum Altar. Nicht nur der Altarraum war durch die Vielzahl der Ministranten mit jungen Menschen gefüllt. Wer durch die Reihen blickte, erkannte schnell, dass die Kirche insgesamt ihr jugendliches Gesicht zeigte. Genau deswegen wohl sprach Dekan Kilian Kemmer in seiner Weihnachtspredigt die Jugend an. "Mischt euch ein, sagt frei und unverblümt eure Meinung. Eine Gesellschaft und auch die Kirche muss wissen, wie die Jugend denkt."

Gegen die "Political Correctness"

Kemmer ermunterte die Jugendlichen, keine Rücksicht auf Autoritäten in Kirche und Gesellschaft, auf Verwandtschaft oder Nachbarschaft zu nehmen, wenn es darum gehe, etwas zu benennen, was man in personeller oder weltanschaulicher Hinsicht nicht gut findet.

Die "Political Correctness" der vergangenen Jahrzehnte sei in Kirche und Gesellschaft nach Ansicht von Kilian Kemmer die Ursache für ein Erschrecken etwa über Wahlergebnisse oder Lebensgewohnheiten. "Wir haben verlernt, offen die Meinung zu sagen, und haben verlernt, zuzuhören."

Klare Worte

Weihnachten erinnert daran, dass Gott in Jesus sein Wort zu Erde schickte, klar und deutlich redete, dafür zwar gekreuzigt wurde, aber das versprochene Wort gehalten hat bis heute, so der Dekan. Mit zahlreichen gottesdienstlichen Angeboten gestaltete die Pfarrei die Weihnachtsfeiertage. Ein polyphones deutsches Messordinarium bot der Kirchenchor im Festgottesdienst am ersten Feiertag mit Blechbläsern der Stadtkapelle Höchstadt unter der Leitung von Florian Mayer dar. Eine starke Geste erfolgte wie angekündigt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Vor der geschmückten Figur eines kindlichen Jesus, der ein Kreuz im Arm trägt, entzündete Dekan Kemmer mit dem Licht von Bethlehem eine Kerze, um alle, die in ihrer Kindheit im kirchlichen Raum missbraucht wurden, um Verzeihung zu bitten.