Der Landkreis Haßberge ist bereit für das angedachte Kompetenzzentrum Kunststoff, das in Haßfurt angesiedelt werden soll. In Königsberg versicherte Landrat Wilhelm Schneider: "Wir haben für das Kompetenzzentrum Kunststoff bisher alles geschnürt mit der Standortkommune Haßfurt und dem Landkreis und treten mit der Bereitstellung eines Gebäudes und der Finanzierung einer Stiftungsprofessur in Vorleistung. Auch von unseren ansässigen Firmen wird es getragen. Grundlegend besteht Einverständnis, aber wir brauchen noch Unterstützung und müssen das Wissenschaftsministerium davon überzeugen, dass diese Einrichtung notwendig ist."

Besichtigung in Königsberg

Überzeugungsarbeit versuchten Politiker, Kommunen und Wirtschaftsvertreter bei der Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zu leisten, die am Dienstag den Landkreis besuchte. Sie besichtigte die Fränkischen Rohrwerke in Königsberg, einen Vorreiter in Sachen Kunststoffverarbeitung. Landrat Schneider wies darauf hin, dass der Landkreis über 4500 Arbeitsplätze im Kunststoffbereich mit den Firmen vor allem in Königsberg und im Maintal habe. Man wolle deshalb die Chance ergreifen, um das Kompetenzzentrum zu realisieren. Zehn bis zwölf Firmen stehen nach seiner Aussage dahinter.

Firmenchef Otto Kirchner präsentierte seine Firma. Derzeit haben die Fränkischen Rohrwerke 22 Produktions- und Vertriebsstandorte (davon drei in Deutschland). Weltweit werden 4500 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1800 in Deutschland. In Königsberg werden täglich bis zu 100 Lastwagen abgefertigt. Über 70 000 Tonnen Kunststoffmaterial werden im Jahr verarbeitet und täglich rund 2,1 Millionen Meter Rohr produziert. Der Umsatz beträgt rund 580 Millionen Euro im Jahr.

Mit im Boot beim geplanten Kompetenzzentrum ist die Fachhochschule in Schweinfurt. Professor Volker Herrmann ging auf das Projekt und den Forschungsschwerpunkt "Polymerextrusion" mit Kunststoff und Kautschuk ein. Er betonte: "Den heutigen Lebensstandard verdanken wir zum großen Teil dem Rohrsystem aus Kunststoff über und unter der Erde. Gerade in der derzeitigen Situation ist es notwendig, einen Leuchtturm zu setzen und zu zeigen, wie wichtig Kunststoff ist. So hängen 15 300 Mitarbeiter in der Industrie am Kunststoff."

Ziele und Inhalte

Er stellte vor, was man im gewünschten Technologiezentrum erforschen wolle und welche Ausstattung notwendig sei. Für die Unternehmen eröffne sich der Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen, die Hochschule widme sich praxisrelevanten Themen und steigere damit ihre Attraktivität für Studierende.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner dankte der Familie Kirchner und ihren Mitarbeitern für ihr Engagement. "Wir brauchen die Forschung und dieses Knowhow. Diese ideale Kompetenz müssen wir mitnehmen und es ist richtig, dass sich Abgeordnete wie Steffen Vogel für dieses Thema und ihre Region einsetzen. Dass diese Einrichtung sinnvoll ist, ist mir durchsichtig."

Im Sozialladen in Haßfurt

Die Landtagspräsidentin besuchte neben dem Königsberger Unternehmen auch die "Haßfurter Tafel". Seit 15 Jahren gibt es den Sozialladen in Haßfurt, der Menschen unterstützt, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft leben. Rund 80 Personen suchen derzeit einmal die Woche den Laden auf, um für sich und die Familie zu günstigem Preis das Notwendigste für das tägliche Leben zu kaufen. Angeschlossen an die "Haßfurter Tafel" sind ein weiterer Sozialladen in Eltmann sowie eine Ausgabestelle in Ebern.

Die Helfer fahren derzeit 18 Geschäfte, Bäckereien und Supermärkte an, die mit ihren Waren Unterstützung leisten. "Um das alles zu bewerkstelligen und zu organisieren, sind derzeit 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, angefangen vom Vorstandsgremium über die Fahrer bis hin zu den Helfern im Depot und bei der Ausgabe", betonte Vereinsvorsitzende Ute Ulbrich. "In der Hoch-Zeit der Flüchtlingswelle bedienten wir bis zu 140 Personen, teilweise mit ihren Familien. Derzeit ist die Zahl aber auf rund 80 zurückgegangen", sagte sie.

Ilse Aigner bekam die beengten Verhältnisse in Haßfurt hautnah mit, als sie durch den Laden und das Lager bis in den Gewölbekeller ging. Die Verantwortlichen der "Tafel" wünschten ein besseres Raumangebot. Die CSU-Politikerin dankte den Helfern für ihre aufopferungsvolle Arbeit bei der "Tafel". gg