Tettau — Nach den jüngsten Gemeinderatssitzungen von Tettau ist Willi Güntsch (SPD) in die Schlagzeilen geraten. Vor allem seine Wortwahl in der Diskussion um die künftige Wasserversorgung wurde von vielen Gemeinderäten kritisiert, die deshalb eine Entschuldigung verlangten. Güntsch hatte diesbezüglich von Betrug am Bürger gesprochen. Jetzt nimmt Güntsch dazu Stellung.
"Ich habe Dinge beim Namen genannt, die die in meinen Augen weitreichende Fehlentscheidung um die Eigenwasserversorgung von Tettau betrafen, und hierbei auch drastische Worte verwendet", teilt Güntsch mit.
Er bezeichnet es als "willkommenes Ablenkungsmanöver" von Bürgermeister Peter Ebertsch (BL) und von Teilen des Gemeinderates, von ihm eine Entschuldigung für die klaren Worte, "die scheinbar so manchen nicht ins Konzept passen", einzufordern.


Vergleich mit Theaterstück

Güntsch vergleicht die Gemeinderatssitzung mit einem Theaterstück: "Bist du bereit, dich zu entschuldigen?", sprach die Stimme zu dem Sünder. - "Nein, ich weiß nicht warum und bei wem. Da erhob sich der Nachbar und verließ publikumswirksam seinen Platz", geht Güntsch darauf ein, dass sein Sitznachbar im Gemeinderat, Carl-August Heinz (BL), nach der ausbleibenden Entschuldigung den Platz wechselte. Als Höhepunkt bezeichnet Güntsch die Aussage eines weiteren Gemeinderatsmitglieds: "Wenn wir nicht die Entschuldigung hören, auf die wir warten, brauchen wir nicht zu diskutieren." Statt sich eingehend mit der Eigenwasserversorgung und dem neuen Vertrag zu befassen und auch mal Fakten und die verpflichtenden Informationen darzulegen, sei jegliche Diskussion abgewürgt worden, kritisiert Güntsch.


Fadenscheinige Ausführungen

Mit "fadenscheinigen" Ausführungen und Gründen sollte laut Güntsch den Bürgern im Vorfeld im Mitteilungsblatt der Gemeinde vom 20. Juli erläutert werden, dass die Entscheidung, "die kostengünstigen" eigenen Quellen zu schließen, nun nicht mehr zu ändern sei. "Es müssen schon seltsame Rechenkünste und Argumente sein, wenn man mit nicht belegten Aussagen daher kommt", teilt Güntsch weiter mit und zitiert beispielsweise: "Vergleiche bei Kommunen, welche ihre Quellen reaktiviert haben, haben gezeigt, dass der Wasserpreis um die vier Euro liegt." Im ganzen Landkreis Kronach gebe es keinen Wasserpreis in derartiger Größe, bezeichnet Güntsch dies als Falschaussage. Er beklagt, dass im Gemeindeblatt kein Wort "über die bisher mögliche, tatsächliche Wasserförderung und deren Ertrag und die Vorteile der Eigennutzung unserer drei guten und hervorragenden Wasser-Quellen" gefallen sei.


Bürger an Nase herumgeführt

"Wenn wirklich - wie behauptet wird - unsere Wasserrechte seit Jahrzehnten ausgelaufen wären und nur geduldet worden sind und demnach unser Wasser schlecht wäre, dann sind unsere Bürger die ganzen Jahre an der Nase herumgeführt worden. Sie wären mit eventuell verseuchtem oder belastetem Wasser einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt gewesen und möglicherweise - ich glaube das nicht - mit unbrauchbarem Wasser beliefert worden", erklärt Güntsch. Er bezieht sich außerdem auf Paragraf 50 der öffentlichen Wasserversorgung in Oberfranken, wonach die öffentliche Wasserversorgung Aufgabe der Daseinsvorsorge ist. In Absatz 2 sei dort festgehalten, dass der Wasserbedarf der öffentlichen Wasserversorgung vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken sei, "soweit überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit dem nicht entgegenstehen". Deshalb betrachtet Güntsch die vom Marktgemeinderat Tettau getroffene Entscheidung, die eigenen Quellen aufzulassen, "sogar als gesetzeswidrig".


Opportunistisches Zahlenspiel

Als "opportunistisches Zahlenspiel" müsse auch die angeführte "Kostenlawine für die Instandhaltung der eigenen Quellen" angesehen werden. Denn Kosten in der genannten Höhe seien hauptsächlich deshalb angefallen, weil man in den letzten Jahren "jegliche Investitionen" für den Erhalt der Quellen abgeblockt und nur noch Wasser zugekauft hat, ist Güntsch überzeugt.
Im vergangenen Jahr sei der Beschluss, die eigenen Quellen zu erhalten noch "fast einstimmig" gewesen. Der "plötzliche Sinneswandel, die Eigenwasserversorgung aufzugeben und den sehr fraglichen Argumenten zu folgen" sei ihm bisher nicht erklärbar. "Anerkennung und Wertschätzung erreicht man nicht durch Verschweigen und Vertuschen und Entzug des Diskussionsrechts, sondern auch mit Offenheit, Ehrlichkeit und Wahrheitstreue, wie ich es hier versucht habe darzulegen", erklärt Willi Güntsch abschließend. red