von unserem Mitarbeiter 
Albin Schorn

Haßfurt — Wieder hat eine Haßfurter Familie die Fassade ihres historischen Wohn- und Geschäftshauses umfassend und denkmalgerecht renoviert. Monika Elsen-Nehr und ihr Ehemann Wolfgang Nehr haben nach Absprache mit dem Denkmalamt und Fachberatern für Außenputz und Farbgebung ihrem Gebäude in der östlichen Altstadt wieder das gewohnte und vertraute Erscheinungsbild vorbildlich zurückgegeben.
Wolfgang Nehr, selbstständiger Malermeister und Verputzer, hat mit seinen Arbeiten an historischen Gebäuden in Bamberg und Zeil - sein Betrieb steht in Hallstadt - bereits viel Berufserfahrung, um erhaltenswerte Fassaden erneuern zu können. Mit seinem Sohn Andreas hat er daheim in Haßfurt in geduldiger Kleinarbeit brüchigen Putz in den Gefachen abgeschlagen und ersetzt. Auch morsche Holzelemente mussten ausgetauscht werden. Mit einer Spezialmaschine gelang es, durch Heißluft die noch an den Verstrebungen und Ständern haftende Altfarbe abzunehmen und einen neuen, konservierenden wetterfesten Anstrich aufzutragen.
Was ist nun das Besondere an diesem Gebäude? Reinhard Gutbier hat in seinem Beitrag über die ältesten Haßfurter Häuser ("Stadt Haßfurt 1235 bis 1985", Seiten 143 bis 144) Wesentliches zu dieser Hofanlage und seinem Grundriss herausgestellt: zum Beispiel die Jahreszahl 1501 (oder 1601?) im Scheitelbogen eines Zugangs zu einem Kellerraum als Gründungsjahr des Gebäudes.
Monika Elsen-Nehr selbst hält das Kellergewölbe für ursprünglich aus dem Jahre 1501. "Später", so ihre weitere Erklärung, "ist auf diesem Original-Kellergewölbe ein Gebäude mit größerem Grundriss gebaut worden". Jahrzehntelang haben ihre Eltern in den stimmungsvollen Kellerräumen, dem "Elsen-Keller", den Schoppen, die Blauen Zipfel und den Gerupften den Haßfurter Bürgern und ihren Gästen angeboten und das gesellschaftliche Leben der Stadt angeregt. Heute können die Räume für private Festanlässe genutzt werden. Fände sich ein neuer Betreiber des "Elsen-Kellers", würde sich die Familie Elsen-Nehr darüber auch freuen.

Es sind abstrakte Figuren

Die Fassade zu der Hauptstraße hin kennzeichnen auffallende "Mannfiguren": Das sind ab-strakte Formen eines Menschen mit gestreckten Armen und gespreizten Beinen. Es sind Ständerfiguren mit je zwei langen Fußstreben und je zwei kurzen Kopfstreben. Sie werden auch als "Wilder Mann" bezeichnet. Ihnen wurde historisch mancherorts eine unheilabwehrende Funktion zugeschrieben.
Neben der harmonischen Fachwerkfassade zur Straße hin beeindrucken den Passanten an diesem stattlichen Haßfurter Altstadt-Anwesen die Hofeinfahrt und das Fußgängerpförtchen mit ihren Rundbögen und ihren Holztoren. Wenn der Elsen-Laden geöffnet ist, kann man auch gut den traufseitigen Laubengang des Obergeschosses zum Innenhof hin sehen.

Seilerei im Laubengang

Er schließt zur Hauptstraße hin mit einem rundbogigen Fenster ab. Manchem Bürger wird noch das Bild vor Augen stehen, dass auf diesem Laubengang der Vater von Monika Elsen-Ehr für die Seilerei Elsen Seile, Stricke und Taue drehte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hausbesitzerin Elsen-Nehr eine gelernte Meisterin des Seilerhandwerks ist. Sie hat noch die "uralten Handdrehseilerei-Maschinen" museumsreif aufbewahrt.
Zu der Hofanlage gehört der geräumige Ladenraum im Hinterhof. Hier wurden bis vor einigen Jahren Sportartikel und Seilerei-Erzeugnisse angeboten.

Historisches Bild

Dass die fast ursprünglich erhaltene und historisch gewachsene Anlage erhalten bleibt, ist der Familie Elsen-Nehr zu verdanken. Es bleibt damit ein weiteres Zeugnis handwerklichen und künstlerischen Schaffens aus Jahrhunderten erhalten.