Da er mehrfach vorbestraft ist und unter doppelter Bewährung stand, wusste der 28-jährige Angeklagte, was auf dem Spiel stand, als er sich betrunken und ohne Fahrerlaubnis auf einen geliehenen Roller setzte und davonbrauste. Als ihn eine Polizeistreife in Haßfurt kontrollieren wollte, gab er Gas und setzte alles daran, den Uniformierten zu entkommen. Er gab nicht einmal auf, als er das Polizeiauto schrammte. Erwischt wurde er dennoch. Im Prozess vor am Amtsgericht Haßfurt ging es nun vor allem darum, ob der Rollerfahrer in den Knast muss oder nicht. Amtsrichterin Ilona Conver entschied sich für eine hohe Geldstrafe von 4480 Euro - knapp am Knast vorbei.
Es war der 8. August letzten Jahres, als abends um halb zehn mitten in der Haßfurter Innenstadt die filmreife Polizeiaktion ablief. Der junge Mann befand sich im Jugendzentrum und hatte schon tagsüber bei seinem Onkel reichlich Wodka und Bier konsumiert. Im Laufe des Abends packte ihn der Übermut und er kam auf die Schnapsidee, sich von einem Bekannten dessen Kleinkraftrad geben zu lassen. Schon saß er im Sattel und düste davon.
Er wollte eigentlich nur eine Runde drehen, sagte er auf Nachfrage von Staatsanwalt Thomas Heer. Doch bereits nach wenigen Minuten erschrak er zu Tode, weil ein Streifenwagen der Polizei auftauchte. Bloß weg, war daraufhin sein einziger Gedanke. Über den Ziegelbrunn brauste er mit Vollgas Richtung Kreisel an der Hofheimer Straße. Der am Steuer des Streifenwagens sitzende 30-jährige Beamte hatte längst Blaulicht und Sirene eingeschaltet, was der Verfolgte aber ignorierte.


Das Lenkrad verrissen

Um den Flüchtigen auszubremsen, beschleunigte der Streifenwagen, überholte das Zweirad und stoppte abrupt ab. Doch der Zweiradfahrer verriss das Lenkrad und versuchte, den vor ihm stehenden Wagen seitwärts zu umfahren. Bei diesem Manöver schrammte er an die Seitentür des Autos und brach dessen Seitenspiegel ab. Daraufhin schleuderte der 28-Jährige sein Krad an das Geländer der Eisenbahnbrücke und flüchtete zu Fuß durch die Unterführung und anschließend auf einem Fußweg, der mit Pfosten abgesperrt war.
Auf diese Weise hatte der Mann die Verfolger zwar erst einmal abgehängt, aber genützt hat ihm das wenig. Als er nämlich kurz darauf zum Haßfurter Jugendtreff schlich, um den Schlüssel des entliehenen Rollers zurückzugeben, erwarteten ihn schon die Polizisten. Ob sich der Angeschuldigte - für die Haßfurter Ordnungshüter ein alter Bekannter - in dieser Situation ausfällig verhalten oder anderweitig Probleme gemacht habe, wollte der Staatsanwalt wissen. "Nein, er hat sich absolut korrekt verhalten", antwortete der damals eingesetzte Beamte im Zeugenstand, was der Angeklagte grinsend zur Kenntnis nahm.
Obwohl der Mann noch nicht alt ist, hat er bereits sieben Vorstrafen auf dem Kerbholz. Zwei Mal stand er wegen Körperverletzungen und drei Mal wegen Drogendelikten vor dem Kadi. Noch schlimmer wog, dass er über ein Promille hatte, einen hohen Schaden von über 4000 Euro verursachte und unter zweifacher laufender Bewährung stand. Eine Gefängnisstrafe drohte.
Nach eingehender Beratungszeit verkündete Strafrichterin Ilona Conver die Entscheidung im Namen des Volkes. Dass er nicht hinter schwedischen Gardinen landet, verdankte der Verurteilte dabei nur der Tatsache, dass seine bisherigen Vorstrafen nicht einschlägig - also keine Verkehrsdelikte - waren. Es blieb vorerst noch offen, ob der Staatsanwalt in Berufung geht.