Obwohl die europäische Vogelschutzrichtlinie in diesem Jahr schon 40 Jahre lang besteht und trotz intensiver Schutzbemühungen nehmen die Bestände der Wiesenbrüter in Bayern und damit auch im Coburger Land dramatisch ab. Deswegen bittet Christian Fischer, der Gebietsbetreuer des LBV (Landesbund für Vogelschutz) die Wiesenbrütergebiete im Coburger Land, jetzt um einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur in den Vogelschutzgebieten.

"Bitte lassen Sie Ihren Hund bis Mitte Juli im Itzgrund, im Meederer Rieth, in den Sulzdorfer und Glender Wiesen und in der Rodachaue nicht frei herumlaufen und verlassen Sie dort nicht die Wege", wendet er sich mit einem eindringlichen Appell an die Hundebesitzer.

Die Schützlinge von Christian Fischer sind die sogenannten "Wiesenbrüter": Das sind bodenbrütende Vögel feuchter und nasser Wiesen und Weiden. Bei uns sind das die Vogelarten Braunkehlchen, Bekassine, Kiebitz, Wachtelkönig und Wiesenpieper. Dabei ist das Coburger Land ein bedeutendes Brutgebiet der Bekassine in Bayern, erklärt Christian Fischer.

Vögel mit hohen Ansprüchen

Warum geht es den Wiesenbrütern schlecht bei uns? Wiesenbrüter stellen besonders hohe Ansprüche an die Qualität ihrer Lebensräume. So benötigen sie für die erfolgreiche Aufzucht ihres Nachwuchses zum Beispiel magere, blüten- und insektenreiche Feuchtwiesen mit später Mahd. Diese empfindlichen Refugien sind in der Landschaft bundesweit selten geworden. Da die Populationen der Wiesenbrüter im Coburger Land auf kleine Restbestände geschrumpft sind, können sich laut Fischer bereits geringfügige Verluste durch Störungen existenzbedrohend auswirken.

Die störungsempfindlichen Wiesenbrüter können nicht einschätzen, ob zum Beispiel ein freilaufender Hund völlig harmlos oder gefährlich für sie ist. Aufgeschreckte Elternvögel verlassen vorübergehend Gelege oder Küken, die dann Wetter und Fressfeinden schutzlos ausgeliefert sind.

Appell einer Hundetrainerin

Auch die Leiterin der Hundeschule Fairdog in Großheirath, Ricarda Graser, appelliert an ein rücksichtsvolles Verhalten in der Natur. Sie sagt ganz klar: "Ein gut erzogener Hund sollte gelernt haben, sich durch ein Signal des Menschen auf den Wegen aufzuhalten." So könne der Hund trotz Schonzeit seinen Freilauf genießen. Denn Rücksichtnahme heiße nun mal auch, auf andere Tiere Rücksicht zu nehmen.

Doch nicht nur Wiesenbrüter profitieren von der Rücksichtnahme der Hundefreunde. So erklärt Hans Schönecker, der Storchenbeauftragte des LBV Coburg: "Zurzeit schlüpfen die ersten Storchenküken und die Weißstörche suchen nicht nur für sich, sondern auch für ihren Nachwuchs Nahrung auf den Futterwiesen. Die Flucht eines Storches vor einem freilaufenden Hund kostet wertvolle Energie und gefährdet das gesunde Aufwachsen der Jungstörche." Deshalb sollten Hundehalter jetzt generell bei Spaziergängen besondere Rücksicht nehmen, wenn die Natur überall zur Kinderstube wird. rlu/ct