Stephan Herbert Fuchs

Wegen zahlreicher Drogendelikte musste sich ein Ehepaar aus dem Landkreis vor dem Schöffengericht verantworten. Während der 34-jährige Mann freigesprochen wurde, weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte, wurde die Verhandlung gegen seine 29-jährige Ehefrau unterbrochen. Grund dafür ist, dass ein weiterer Zeuge vernommen werden soll.

Der Frau wirft die Anklage unter anderem vor, im Jahr 2019 in zahlreichen Fällen jeweils kleinere Mengen Crystal erworben zu haben. Außerdem soll sie eine Vielzahl von größeren Geschäften mit Crystal eingefädelt und begleitet haben. Als Lohn bekam sie jeweils eine kleine Menge davon ab. Auch von mehreren Beschaffungsfahrten in die Tschechische Republik war die Rede. Bei einigen Fahrten soll auch der Ehemann dabei gewesen sei.

Genau das konnte aber nicht nachgewiesen werden. Es gebe keine hinreichenden Beweise, sagte Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt bei der Verkündung des Freispruchs. Sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch Verteidiger Peter Kanev hatten zuvor auf Freispruch plädiert.

Verfahren geht weiter

Abgetrennt wurde dagegen das Verfahren gegen die Ehefrau. Sie hatte eingeräumt, einige Kontakte innerhalb der Szene in Kulmbach hergestellt zu haben. Auch den Erwerb und den Verkauf von jeweils einem Gramm Crystal für 100 Euro in einem Fall gab sie zu.

Definitiv sei sie aber nie nach Tschechien gefahren und habe Crystal nach Deutschland eingeführt. Aufgrund ihrer schlechten Verfassung hätte sie das damals gar nicht gekonnt, außerdem sei sie kurz zuvor selbst schon einmal vor Gericht gestanden und verurteilt worden. Ihr Ehemann habe ohnehin nie etwas mit Drogen zu tun gehabt.

Deal auf dem Parkplatz

Bei den Geschäften, die von der Frau eingefädelt wurden, ging es mengenmäßig allerdings so richtig zur Sache. Einmal soll es Crystal für rund 1000 Euro, ein zweites Mal für 1500 Euro gewesen sein. Die Übergaben fanden dabei einmal auf dem Parkplatz beim Kauernburger Schlössla, das andere Mal in Lichtenfels statt.

Bei einem weiteren Geschäft war die Menge nicht mehr auszumachen, Übergabeort war der Parkplatz beim Küchenmarkt in Richtung Kieswäsch.

Die Angeklagte will als Lohn für die Vermittlung jeweils nur eine kleine Menge des Rauschgifts abbekommen haben. "Die wollten sich nicht alleine treffen, weil sie sich ja nicht gekannt haben", begründete die Angeklagte ihre Dienste. Einer der Lieferanten, ein tschechischer Staatsbürger, kam dabei jedes Mal aus dem Nachbarland eigens nach Kulmbach.

Er hatte die Überführung als Tagesausflug getarnt und war deshalb zusammen mit seiner Frau und dem Kind nach Kulmbach gefahren. Für seine Aussage wurde der Mann von Polizeibeamten aus dem Bezirksklinikum Regensburg vorgeführt, wo er gerade eine Therapie macht.

Hauptzeugin des Verfahrens war eine 42-jährige Büroangestellte aus Kulmbach, die in der hiesigen Szene einen schwunghaften Handel betrieben hatte und deren Verfahren noch aussteht. Durch sie waren die Ermittler überhaupt erst auf die Angeklagte gekommen. Die Frau gab an, über die Angeklagte bestellt zu haben und bei den Geschäften teilweise auch von ihr begleitet worden zu sein. Von den Fahrten nach Tschechien wusste sie allerdings nur vom Hörensagen.

Derzeit in der JVA

Um die Angaben in einem der umfangreichsten Anklagepunkte zu verifizieren, will das Gericht nun allerdings noch den zweiten Abnehmer hören, mit dem die Angeklagte in über zwei Dutzend Fällen Geschäfte gemacht haben soll. Der Mann wurde ebenfalls bereits verurteilt und sitzt seine Strafe in der JVA Amberg ab.

Er soll nun am 30. November zur Fortsetzung des Verfahrens am Amtsgericht Kulmbach vorgeführt werden.