Das Familienleben ist zu normalen Zeiten schon nicht immer einfach. Aktuell ist das mit den Ausgangsbeschränkungen noch komplizierter. Man kann sich nicht ohne Weiteres aus dem Weg gehen. Simone Steiner, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung des Landkreises Erlangen-Höchstadt, erzählt, wie sie und ihre Kollegen helfen können.

Mit welchen Problemen und Sorgen kann man sich an Sie wenden?

Zunächst sind wir eine offene Beratungsstelle für familiäre und persönliche Probleme, für Fragen zu Partnerschaft, Ehe, Trennung oder Scheidung. Wenn das Familienklima angespannt ist oder persönliche Probleme aus Schule oder Beruf drücken, können sich Kinder, Jugendliche, Eltern und Paare an uns wenden. Bei Bedarf vermitteln wir auch an andere Beratungsstellen wie die Schuldnerberatung oder den sozialpsychiatrischen Dienst.

Wie sieht Ihre Arbeit aktuell aufgrund des Coronavirus aus?

Aktuell führen wir keine persönlichen Beratungsgespräche. Bestehende Beratungen führen wir per Telefon oder über unsere Onlineberatung fort. Damit machen wir überraschend gute Erfahrungen. Besonders Klienten, die ohnehin wenig soziale Unterstützung haben, sind sehr dankbar für dieses Angebot. Etliche Kolleginnen arbeiten von zu Hause, um die Zahl der in der Beratungsstelle Anwesenden klein zu halten. Das Telefon ist täglich von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr (freitags nur bis 12 Uhr) besetzt.

Haben sich in diesem Zusammenhang schon viele Hilfesuchende gemeldet?

Die Zahl der Neuanmeldungen ist seit dem 13. März zurückgegangen. Bei den bestehenden Klienten können wir jetzt bei Bedarf wöchentliche oder noch häufigere Telefontermine vergeben. Das wissen vor allem die Klienten in sehr angespannten Familiensituationen zu schätzen. Und bei Jugendlichen, die bereits in Beratung sind, merken wir einen hohen Gesprächsbedarf. Hier leiden viele sehr unter der unfreiwilligen Isolation - gerade in einem Alter, in dem die Gleichaltrigen für die Persönlichkeitsentwicklung so bedeutsam sind.

Welche Tipps haben Sie aktuell für das Zusammenleben innerhalb der Familie, mit dem Partner oder in einer WG?

Keiner hat diese Situation vorher üben können und niemand hat deshalb Patentlösungen in der Tasche. Sich gemeinsam in eine experimentierende Haltung zu begeben, schafft Zeit und fordert alle zum Nachdenken auf. Und bei einem Experiment gibt es keinen Sieger oder Verlierer. Sondern man macht gemeinsam Erfahrungen, die man dann bewerten kann.

Rituale wie eine gemeinsame Mahlzeit und eine Tagesstruktur geben Halt. Und wenn es erlaubt ist, Wünsche nach Alleinsein oder Zuwendung laut zu sagen, ist schon viel gewonnen. Wenig erfolgversprechend ist es, Probleme, die schon vorher da waren, jetzt mit aller Macht angehen zu wollen. Eine etwas nachsichtigere Haltung dient dem Familienfrieden jetzt mehr. Das Gespräch führte Theresa Schiffl. Für Fragen steht die Caritas-Beratungsstelle unter Telefon 09132/8088 oder unter www.caritas-erlangen.de zur Verfügung.