Zur Diskussion über die künftige Erschließung der Plassenburg erhielten wir folgende Zuschrift: "Zu fällen einen alten Baum braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht es, bedenk' es, ein Jahrhundert." So lautet ein alter Spruch aus einer Zeit, in der das Fällen von Obstbäumen zum Beispiel unter Strafe stand.

Jetzt sollen - welcher Irrsinn - im Buchwald zig hundertjährige Buchen gefällt werden, nur damit eine Straße zur Plassenburg gebaut werden kann. In einer Zeit, in der wir wieder mit einem Waldsterben konfrontiert sind. Ich sehe schon das Bild vor mir, wie sich Reisebusse die obere Stadt hinauf durch die Wolfskehle und durch den geschundenen Buchwald quälen, um dann Besucher für die Burg auszuladen, die nach zwei Stunden wieder in den Bus steigen, um die Fahrt zurück anzutreten.

Welcher der meist älteren Busreisenden wird sich die Stadt Kulmbach ansehen? Welcher der meist älteren Busreisenden wird sich auf den beschwerlichen Fußweg begeben hinunter nach Kulmbach, wo seit Jahren Geschäftsleute sehnlichst auf mehr Kunden warten? Welcher der meist älteren Busreisenden wird sich nicht überlegen, dass der Fußweg aus der Stadt hinauf auf die Burg noch beschwerlicher sein wird als der hinunter und deshalb auf die Anstrengung verzichten?

Welchen Vorteil also wird die Stadt vom naturzerstörenden und klimaschädlichen Ausbau der Straße durch den Buchwald haben?

Ich habe lange in Freiburg im Breisgau gelebt. Dort gibt es seit Jahrzehnten eine Standseilbahn mitten im Stadtpark. Sie führt zum Schlossberg hinauf, auf dem allerdings gar kein Schloss mehr steht. Eine Riesenattraktion. Familien, Kinder, Eltern, Großeltern und deren Gäste lieben die Tour in die Stadt, aus deren Mitte eine Seilbahn herausführt, wo man zunächst einen Bummel durch die Einkaufsstraßen machen, wo man mit den Kindern im Stadtpark auf den Spielplatz gehen, wo man gemütlich in einem der zahlreichen sich um die Standseilbahn herum entstanden Cafés sitzen, wo man dann als Höhepunkt mit der Bahn den Berg hinauffahren kann, um dort die Aussicht über Freiburg und in den Schwarzwald zu genießen.

Dort gibt es allerdings nicht zusätzlich wie in Kulmbach zu einer herrlichen Aussicht eine fantastische Burg zu besichtigen. Diesen Trumpf hätte Kulmbach noch zusätzlich fast als Alleinstellungsmerkmal in ganz Bayern.

Einer Standseilbahn müssten nur wenige Bäume zum Opfer fallen, die Busse könnten am Schwedensteg parken, die Besucher könnten sich auf dem Weg zur Seilbahn die ganze Stadt ansehen, könnten endlich die Innenstadt, die Geschäfte und die Gastronomie beleben, könnten sogar zusätzlich die anderen außergewöhnlichen Museen af dem Mönchshof besuchen oder sogar oben auf der Burg noch eine kleine Wanderung durch einen intakten Buchenwald unternehmen.

Und es wären nicht nur hauptsächlich ältere Leute, die Kulmbach bevölkern würden, sondern auch junge Menschen und Familien könnten einen richtig spannenden Ausflug nach Kulmbach erleben. Den würden sie sicher nicht nur einmal machen, sondern ihre Gäste aus allen Teilen Deutschlands und vielleicht aus allen Teilen der Welt für unsere liebenswerte Stadt und für die vielen inzwischen nachhaltigen und klimafreundlichen Geschäfte begeistern.

Das wäre eine Win-win-Situation für die Geschäftsleute, für die Gastronomie, für den Tourismus, für die Kulmbacher und letztendlich für das Klima.

Franziska Schumm

Kulmbach