Etwas unorthodox näherten sich die Freunde der Plassenburg beim jüngsten historischen Stammtisch dem berühmtesten Maler der Stadt: Hans von Kulmbach. Zweiter Vorsitzender Holger Peilnsteiner begann in der Burgschänke "Al Castello" zunächst damit, aufzuzeigen, was man über den Maler der Renaissance alles nicht weiß: "Weder sein Geburtsdatum noch sein genauer Name sind bekannt. Die Feierlichkeiten 1976 zu seinem angeblichen 500. Geburtstag basierten nur auf einer vagen Annahme, nicht auf Fakten."

Er müsse nach den wenigen urkundlichen und literarischen Nachrichten, die es über ihn gebe, etwa 1480 geboren sein. Bezüglich des Namens des Malers woge eine seit fast 200 Jahren andauernde Diskussion. So werde Hans von Kulmbach auch als Johann oder Hans Süß, Hans Fuß oder Hans Wagner bezeichnet.

Keine Quellen, keine Belege

Wo und bei wem er seine Lehre absolvierte, ist ebenfalls Spekulation. Die weit verbreitete Geschichte, Michael Wolgemuth sei sein Meister gewesen, entbehre jeder Quellengrundlage.

Dass er ein Geschäftspartner Dürers gewesen sei, müsse mangels schriftlicher Belege ins Reich des Wunschdenkens verwiesen werden. Peilnsteiner zeigte allerdings anhand einer Engelsmesse und anderer Bilder, dass er sich bei Dürer nach seiner Lehre offenbar weiterbildete und dessen Werke imitierte oder geradezu exakt kopierte.

"All diese vielleicht für manche enttäuschenden Mitteilungen über die nicht zu belegenden Geschichten über Hans von Kulmbach mindern seinen künstlerischen Wert, seine Bedeutung für die Kunstgeschichte und die Faszination, die seine Werke ausstrahlen, überhaupt nicht", stellte Peilnsteiner fest. Sein Werk - soweit man es ihm sicher zuschreiben kann - spreche für sich.

Die teils hohen Summen, die bei Auktionen der vergangenen Jahre gezahlt wurden, ließen eine quantifizierbare Wertschätzung des Kulmbacher Malers erkennen. Dies sei allerdings keine ausschließliche Erscheinung der Neuzeit. Schon vor über 500 Jahren hätten hohe und höchste Kreise Interesse an den Schöpfungen des fränkischen Künstlers gezeigt. Bedeutende Auftraggeber sind laut Peilnsteiner bekannt, darunter der in Krakau lebende Kaufmann Hans Boner, die Familie Tucher in Nürnberg sowie die Hohenzollern in Franken. Für diese Familie fertigte er die Vorzeichnungen für das Hohenzollernfenster in St. Sebald in Nürnberg und das berühmte Porträt von Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach, das heute die Alte Pinakothek in München ziert. Auch Kaiser Maximilian scheint zu seinen Kunden gehört zu haben.

Venezianische Geheimnisse

Sehr wahrscheinlich ist laut Redner, dass er tatsächlich aus Kulmbach stammte und sich nach seiner Lehre bei weiteren Meistern zu vervollkommnen versuchte, darunter bei dem Venezianer Jacopo d'Barbari, der ihn offenbar in die Geheimnisse der in der Lagunenstadt verwendeten Farben einweihte.

Das Werk des Kulmbachers zeige teils eine heute verstörende Drastik, die laut Peilnsteiner die Lebensumstände und Erfahrungen eines Künstlers der Zeit um 1500 widerspiegele. Peilnsteiner führte dem staunenden Publikum anhand zahlreicher Fotos die Brillanz und den Variantenreichtum der Farben Hans von Kulmbachs vor Augen. Noch heute sind seine Gemälde die farbintensivsten und kontrastreichsten der deutschen Renaissance. "Gerade die Rottöne in seinen Altarbildern in der Altdeutschen Galerie in Bamberg oder die irisierenden Varianten von Blau und Rot im Tucher-Epitaph in St. Sebald in Nürnberg gehen weit über das bis dahin im Fränkischen Bekannte hinaus - sie haben eine enorme Vielfalt und teils eine Wucht, die den Betrachter in den Bann ziehen." Die italienisch beeinflussten Farben, die Mariendarstellung und die musizierenden Putten sind fortan charakteristisch für die Renaissancemalerei in Franken und finden sich in dieser Art hier wahrscheinlich zum ersten Mal nördlich der Alpen.

Kirchenfenster gestaltet

"Einen herausragenden Status hatte er als Inventor, als geistiger Schöpfer von Kirchenfenstern", so Peilnsteiner. Selbst im Ingolstädter Münster finden sich Glaswerke, für die er die Zeichnungen lieferte. Eine riesige Kopie des grandiosen Hohenzollernfensters aus St. Sebald in Nürnberg findet sich auf der Plassenburg.

Die Wertschätzung Hans von Kulmbachs in der Welt der Kunst zeige sich auch in den zahlreichen Museen und Galerien, die seine Werke ausstellten.

Das Sterbejahr des Hans von Kulmbach 1522 gilt als sicher. In vier Jahren stünde damit das 500. Jubiläum an, ein Grund für die Freunde der Plassenburg, eine Ausstellung über den Maler und sein Werk vorzuschlagen, die in der Plassenburg präsentiert werden solle. red