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Kunreuth

Wer sägt nachts die Kanzeln um?

Die mutwillige Zerstörung der Jägerhochsitze hält an. Zwischen Fronleichnam und dem darauffolgenden Montag wurde wieder ein Hochsitz beschädigt und umgesägt. Nun ermittelt die Kripo Bamberg.
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Die Kanzel in Gerhard Kauls Revier wurde sabotiert. Es handelt sich um Serientäter. Foto: Petra Malbrich
Die Kanzel in Gerhard Kauls Revier wurde sabotiert. Es handelt sich um Serientäter. Foto: Petra Malbrich

Landkreis Forchheim — Ein wenig vorgewarnt waren die Jäger schon durch die Vorfälle in Kunreuth und Mittelehrenbach. Nun fand Gerhard Kaul auch seinen Jagdstand mutwillig zerstört vor.

Die Kanzel wurde umgesägt und lag in der Wiese, als der Weingartser Revierleiter am Montag zum Jägerstand auf der Wiese zwischen Kunreuth und Weigarts ging. "Die Kanzel hat im Gras gelegen. Man sieht, dass die Sprossen und die Haltesäulen durchgeschnitten wurden, auch das Dach wurde beschädigt", erklärt Kaul. Er hat diesen Vorfall mit den anderen Revierleitern bei der Forchheimer Polizei angezeigt. Nun ermittelt die Kripo in Bamberg.

"Es ist schon gefährlich, wenn der Jäger unbedarft hochgeht und fällt. Er kann dabei schwer verletzt werden", erklärt Alexander Czech, Pressesprecher der Polizei Oberfranken.

Der Sachschaden belaufe sich auf bis zu mehrere Hundert Euro, wenn der ganze Hochsitz beschädigt sei. Geschehen sei der neueste Kanzelfrevel wohl zwischen Fronleichnam und dem darauffolgenden Montag. "An Fronleichnam stand sie noch", weiß Kaul.

Keine Einzeltat

Bereits eine Woche zuvor waren Hochstände der Jäger mutwillig zerstört worden. In Mittelehrenbach wurden bei zwei Kanzeln die Dächer entfernt und bei einer Kanzel in Kunreuth die Sprossen eingeschnitten.

"Das ist eine ganz miese Sache, denn wenn wir früh rausgehen, sieht man nichts", erklärt Kaul. Was passieren könnte, wenn der Jäger auf diese sabotierten Sprossen steigt, kann sich jeder vorstellen. Wer der oder die Täter sind, können die Jagdrevierleiter nur vermuten. "Es war auf jeden Fall kein Lausbubenstreich. Es wurde vorsätzlich vorgegangen", erklärt Kaul.

"Es muss mit einer Handsäge gearbeitet worden sein, da es ganz feine Späne sind", sagt der Schreinermeister. Vor allem muss derjenige die Gewohnheiten der Jäger ein wenig kennen. "Es wurde wohl das schlechte Wetter ausgenutzt", erklärt Kaul, warum die Sabotage vermutlich in der Dämmerung der Regentage passierte, als sich der Täter in Sicherheit fühlte.

"Das ist nicht in einer halben Minute umgesägt", sagt Kaul. Normalerweise sei in der Dämmerung die Gefahr eher groß, einen Jäger anzutreffen. Für die Jäger liegt die Vermutung auf der Hand, dass es sich um Menschen handelt, die nicht damit einverstanden sind, dass Jäger die Tiere schießen.

"Es gibt immer welche, die uns nicht wohl gesonnen sind. Doch es ist das erste Mal in dieser Größenordnung", betont Kaul. Ihm und seinen Jagdkollegen wäre es lieber, wenn Jagdgegner das offene Gespräch suchen.

Kooperationsangebot

"Die Jäger jedenfalls versuchen mit anderen Naturnutzern zusammenzuarbeiten", sagt Kaul. Auch mit den vielen Reitern, die unterwegs seien, könne man sich einigen. "Doch das ausschließlich negative Bild des Manns, der unbedingt schießen möchte", gefällt den Jägern nicht.

"Wir sind verpflichtet, dem Abschuss nachzukommen", erklärt Kaul. Gerade was die Wildschweine betreffe. Und zu 90 Prozent war diese Kanzel in Kauls Revier in Bachnähe für die Jagd auf die Wildschweine aufgestellt. Wasser und Mais in der Nähe, da fühlen sich die Sauen wohl. Gerade hinter ihnen sei man Tag und Nacht her. Trotzdem dürfe man den Beruf des Jägers nicht nur mit dem Abschuss und Treibjagden verbinden.

Hege im Vordergrund

"Im Moment ist mehr Wildpflege angesagt. Wir sind nicht zum Schießen unterwegs, sondern sind derzeit damit beschäftigt, mit der Drohne Kitze zu retten", schildert Kaul. Erst kürzlich hättten die Jäger wieder drei Kitze vor dem Mähtod bewahrt. Was das Schießen betreffe, gebe es mit den Abschusszahlen staatliche Vorgaben, die der Jäger leisten müsse. "Wir schießen nicht mehr als was der Staat vorgibt", beteuert Kaul.

Abschüsse erfolgen

Was würde passieren, falls die Jäger dem nicht nachkommen? "Dann kommt ein Berufsjäger und schießt. Das geschossene Wild müssen sie melden und wir, die Jagdpächter, müssen ihn bezahlen", erklärt Kaul.

Auch die Jäger sind derzeit sensibilisiert und beobachten ihre Reviere aufmerksam. Dankbar für Hinweise wäre die Polizei. Falls etwas merkwürdig wirke, es offensichtlich keine Spaziergänger seien, sondern sich jemand gezielt oder auffällig an den Jägerständen zu schaffen mache, solle die Polizeiinspektion in Forchheim oder im akuten Fall auch die 110 gewählt werden, informiert Czech.