Simone Bastian

Die Bahn spricht davon, dass sie die Verbindung Eisfeld-Coburg reaktivieren will. Doch so einfach ist das nicht. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die als sogenannter Aufgabenträger des Schienen-Personennahverkehrs dafür zuständig ist, nennt fünf Voraussetzungen:

1. Die Reaktivierung muss vor Ort gewollt sein; dafür müssen die betroffenen Gemeinden, Städte und Landkreise entsprechende Beschlüsse fassen.

Der Sachstand: Es gibt keine Strecke, die man reaktivieren könnte. Die alte Bahntrasse Coburg - Eisfeld ist teilweise überbaut. Es müsste also auf jeden Fall eine neue Streckenführung gefunden werden. Die Alternative wäre, den Lückenschluss zur Werrabahn nicht über Eisfeld herzustellen, sondern über Bad Rodach und Hildburghausen. Dann müsste ab Bad Rodach eine völlig neue Strecke gebaut werden. Die geeignete Trasse zu finden, ist Ziel der Interessengemeinschaft Lückenschluss Coburg - Südthüringen, die in den nächsten Wochen gegründet werden soll. Der Coburger Stadtrat hat einstimmig entschieden, dass die Stadt Mitglied wird, im Landkreis war die Entscheidung denkbar knapp. Weitere Mitglieder werden die Stadt und der Landkreis Hildburghausen sein, der das in der Vorwoche einstimmig beschlossen hat. Auch die Stadt Eisfeld will sich anschließen.

Den Anstoß für die Gründung der Interessengemeinschaft Lückenschluss gaben die beiden Industrie- und Handelskammern Coburg und Südthüringen. Sie haben auch klare Vorstellungen, wie ein möglicher Streckenverlauf ermittelt werden könnte: Durch ein Raumordnungsverfahren, das die beiden Freistaaten Bayern und Thüringen betreiben.

2. Es muss eine Prognose vorliegen, dass mehr als 1000 Reisende pro Kilometer und Werktag auf der Strecke zu erwarten sind.

Der Sachstand: Zuständig für diese Potenzialanalyse wäre die BEG. Die IHKn Coburg und Südthüringen sind aber bereit, diese Potenzialanalyse vorzufinanzieren - damit endlich was vorangeht.

3. Die Strecke wird ohne finanzielle Hilfe des Freistaats hergestellt.

Der Sachstand: Knifflig. Der Bund hat zwar die Mittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz erheblich aufgestockt. Aber er übernimmt nur 75 Prozent der Kosten. Die Länder sollen mitfinanzieren.

4. Es steht ein Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen parat, dass diese Strecke sowie die Stationen zu den üblichen Kosten betreibt.

Der Sachstand: Nachdem die Bahn angekündigt hat, dass sie die Strecke reaktivieren will, sollte diese Frage geklärt sein.

5. Außerdem müssen die für den öffentlichen Busverkehr zuständigen Stellen bereit sein, ein mit dem Freistaat abgestimmtes Buskonzept im Bereich der Strecke umzusetzen.

Der Sachstand: Dazu gibt es noch keine Aussagen.

... und ein Problem

Der Kreistag Coburg hat mit knapper Mehrheit beschlossen, dass der Landkreis der IG Lückenschluss beitritt - und mit der gleichen knappen Mehrheit entschieden, dass er die Reaktivierungskriterien der BEG ablehnt. Die sind aber Geschäftsgrundlage der künftigen IG. Trotzdem glaubt Sigmar Schnabel, dass der Zug in Richtung Werrabahn nun nicht mehr zu bremsen ist. Klimaschutz und damit Bahnfahren seien im Trend, der Lückenschluss Teil des Konzepts "Deutschlandtakt 2030", und nun wolle die Bahn die Strecke reaktivieren - als eine von 20 deutschlandweit. Schnabel: "Mit dem Rückenwind der Bahn können wir ganz gut arbeiten."