Sogar beim Bürgermeister sollen die beiden beteiligten Familien schon gewesen, doch nicht einmal der konnte einen langjährigen und erbitterte Nachbarstreit beenden. Also müssen sich die Gerichte damit beschäftigen. Neun Verfahren gab es allein seit 2016 - und ein Ende ist nicht in Sicht.

Im Mittelpunkt stehen eine 63 Jahre alte Hausfrau aus dem südlichen Landkreis und ihr Nachbar, ein 46-jähriger Arzt. Angeklagt war diesmal die Hausfrau, und zwar wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Sie soll dem Mediziner an einem Sonntagnachmittag im Juni des vergangenen Jahres mit der linken Hand ohne nachzuvollziehenden Grund eine heftige Ohrfeige verpasst haben.

"Kein Wort davon ist wahr"

"Das stimmt nicht, kein Wort davon ist wahr", wehrte sich die Frau gleich zu Beginn der Verhandlung energisch und schilderte den Vorfall genau andersherum. Sie habe beim Aussteigen aus dem Auto von ihrem Nachbarn "eine geschmiert" bekommen, und zwar so heftig, dass sie zu Boden gegangen und ihre Brille davon geflogen sei. Danach sei sie mit ihrem Mann gleich in die Notaufnahme des Klinikums gefahren und habe Anzeige erstattet.

Der Nachbar dagegen brachte eine gänzlich andere Version ins Spiel. "Sie hat mit eine geklebt und ich habe lediglich eine Abwehrbewegung gemacht", gab der Mediziner zu Protokoll. Kurz zuvor hätten die Frau und deren Mann fast seinen Sohn überfahren, da wollte er die Nachbarin zur Rede stellen. "Ich schlage doch keine älteren Damen", so der Arzt. Die Frau habe sich danach fallen lassen und um Hilfe gerufen, daraufhin sei er auch noch vom Ehemann der Angeklagten angepöbelt worden.

Schnell wurde klar, dass ein seit Jahren schwelender Streit hinter der Sache steckt. Seit Jahren würden sie und ihr Familie bedroht. Immer wieder habe der Nachbar versucht, sie ins Gefängnis zu bringen, behauptete die Hausfrau. Ein Beamter der Polizeiinspektion Kulmbach bestätigte, dass es immer wieder Anzeigen gebe. Er selbst bearbeite den Komplex bereits seit 2019, und immer wieder komme etwas Neues dazu.

So wie ein weiteres Verfahren, dass bereits bei der Staatsanwaltschaft anhängig ist. Dabei soll die Frau das Pferd des Arztes mit Schnee beworfen haben. Der wiederum soll seinen Hund auf den Sohn der Angeklagten gehetzt haben.

"Das mit dem Nachbarschaftsstreit wird so weitergehen", befürchtete Richterin Sieglinde Tettmann und gab zu bedenken, dass dies für beide Seiten völlig unergiebig wäre. "Legen sie den Streit doch endlich mal ad acta", so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.

Bis es soweit ist, will das Gericht erst einmal weitere Zeugen vernehmen. Darunter auch der Arzt aus der Notaufnahme des Klinikums, der die Angeklagte kurz nach dem Vorfall behandelt hatte. Er soll klären, ob die Frau wirklich verletzt gewesen sei. Dann sollen ein weiterer Polizeibeamter, der damals vor Ort war, und der Ehemann der Frau gehört werden.

Die Verhandlung wird am 6. Mai fortgesetzt.