Manchmal muss ein Leben gerettet werden, das gerade - und viel zu früh - begonnen hat...

Die Reanimation eines Kindes ist ein seltenes Ereignis. Noch seltener muss ein Neugeborenes wiederbelebt werden. Glücklicherweise. Dennoch kann dieser Fall eintreten und dann hängt es neben der medizinischen Ausstattung der jeweiligen Klinik besonders von den Fähigkeiten des versorgenden Teams ab, ob und mit welcher Lebensqualität das Kleine die Notfallsituation überlebt. Gerade solch seltene Ereignisse müssen besonders professionell trainiert werden.

Durch das gemeinsame Engagement der Kinderklinik Coburg, des Fördervereins Cojuki sowie der Stiftung für Natur und Kinder/Klaus Habermaass konnte jetzt die innovative Simulatorpuppe "Paul" für das Regiomed-Klinikum Coburg angeschafft werden.

"Paul" ist ein ganz spezieller Patientensimulator, denn die Puppe entspricht in ihrer Anatomie exakt einem Frühgeborenen. So können Mediziner und Pflegekräfte gerade in diesem hochsensiblen Bereich besonders professionell geschult werden.

Simulationstrainings sind bereits seit vielen Jahren - besonders in Risikobereichen - bekannt. Als Erstes fällt einem hier wohl die Ausbildung angehender Piloten in Flugsimulatoren oder die Vorbereitung eines Astronauten auf eine Weltraummission ein. Doch auch in der Medizin sind Simulationen stark im Kommen.

Dafür wurden so genannte "Patientensimulatoren" in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Auch "Paul". Er sieht einem echten Frühchen nicht nur täuschend ähnlich, er entspricht auch im Inneren der Anatomie eines Frühgeborenen - um genau zu sein: einem Frühgeborenen der 27. Schwangerschaftswoche - das also 13 Wochen zu früh auf die Welt gekommen ist und ein Gewicht von nur etwa 1000 Gramm hat.

Der kleinste weltweit

Damit ist "Paul" der kleinste High-End-Simulator weltweit. Kabellos gesteuert über einen Computer, kann er alle Krankheitszeichen im Frühgeborenenalter simulieren.

Kriegt "Paul" zum Beispiel nicht genug Sauerstoff, wird er blau und hört schließlich komplett auf zu atmen - genau wie ein echtes kleines Kind. Dieses Training am Simulator hat deshalb auch emotionale Wirkung auf die Teams, die mit "Pauls" Hilfe aus- oder weitergebildet werden.

"Gerade sehr kleine Frühgeborene sind auch für erfahrene Ärzteteams eine Herausforderung", erklärt Dr. Peter Dahlem, Chefarzt der Coburger Kinderklinik. "Treten bei den Kindern beispielsweise Atemnotfälle oder Herz-Kreislauf-Probleme auf, müssen alle Handgriffe im Team präzise aufeinander abgestimmt sein."

Die Idee hinter dem Training mit Simulationspuppen lautet daher: Je realistischer das Training, umso besser kann das Erlernte in der realen Notfallsituation abgerufen werden.

Dass "Paul" ab sofort auch im Klinikum Coburg eingesetzt werden kann, verdankt das Team einer Spende der 2019 von Klaus Habermaass gegründeten Stiftung für Natur und Kinder. Gerade einmal zehn Exemplare der Puppe sind deutschlandweit im Einsatz - zum ersten Mal gibt es nun auch einen "Paul" in Nordbayern.

Mehr Simulatoren geplant

"Mit Paul erreicht das Simulationstraining im Bereich der Frühgeborenenversorgung in der Kinderklinik ein neues Zeitalter. Nie zuvor war es möglich, Mediziner und Pflegekräfte gemeinsam so professionell zu schulen und zu trainieren", freut sich Oberarzt Dr. Tobias Rettinger, Leiter des Simulationstrainings der Kinderklinik. Auch für Förderverein Cojuki ist die Anschaffung ein echter Meilenstein, sagt der Vorsitzende Norbert Parmantye.

Der Simulator selbst bringe jedoch noch niemandem etwas bei, gibt Dr. Rettinger zu bedenken. "Wir müssen die Spende angemessen honorieren, indem wir Paul professionell nutzen." Das sei bereits bei einem ersten Training erfolgt - das Feedback der Teilnehmer sei außergewöhnlich positiv ausgefallen.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch größere Pläne, zusammengefasst unter dem Projekt "RegioSIM". Denn Regiomed will das Simulationstraining auch auf andere Bereiche ausweiten. red