Kronach — Der eine Autofahrer fühlte sich in seinem Geschwindigkeitsrausch ausgebremst und der andere mit vorbildlichem Verhalten gefährdet. Ein Verkehrsgeschehen, welches jeden Menschen im Straßenverkehr treffen kann, ereignete sich im Januar zwischen zwei erwachsenen Männern aus dem Landkreis Kronach. Der Tatort: die Strecke auf der B 85 zwischen Weißenbrunn und Einmündung in die B 173 auf Höhe des Einkaufsmarktes. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung musste sich am Donnerstag ein 46-jähriger Unternehmer aus dem Landkreis vor dem Kronacher Amtsrichter Christoph Lehmann verantworten.

Eine von der Justiz verordnete Zwangsüberweisung in Höhe von 2000 Euro zugunsten der Kronacher Verkehrswacht wird er jetzt unter seinem Weihnachtsbaum finden. Der Angeklagte kam mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage mit einem "blauen Auge" davon. Er hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl in Höhe von 3200 Euro eingelegt. Weil sich der angeblich gefährdete und genötigte Geschädigte während der Geschichte ebenfalls wenig vorbildlich benahm, reduzierte der Richter den Betrag. Er begründete: "Von Selbstjustiz halte ich nichts, das war daneben." In der Geschichte hätten sich zwei reife Männer falsch benommen.

Minderjährige in beiden Autos

Die Staatsanwältin hatte den mutmaßlichen Verkehrsrowdy beschuldigt, seinen etwa gleichaltrigen Kontrahenten, den er nicht kannte, zuerst in der 70er-Zone auf Höhe des Autohauses rechtswidrig überholt zu haben und nach dem Einscheren ihn dann fast bis zum Wagenstillstand ausgebremst zu haben. Der angeblich Genötigte hatte seine Ehefrau und ein minderjähriges Kind im Auto, der Angeklagte zwei minderjährige Jungs. Die Anklagevertreterin kritisierte, dass es nur dem Zufall zu verdanken gewesen sei, dass es zu keinem Unfall auch mit dem Gegenverkehr gekommen sei.

Der angeblich zu flott unterwegs gewesene Angeklagte schilderte, dass der andere Verkehrsteilnehmer an dem Tag in der 100er-Zone lediglich mit 50 bis 60 km/h vor ihm her gekrochen sei. Mit ordnungsgemäßer Geschwindigkeit, höchstens 110 km/h, habe er ihn deshalb überholt. Vor der 70er-Zone sei er dann wieder rechtzeitig eingeschert, obwohl dieser nun extra beschleunigt habe.

Nach der Serpentine von Friedrichsburg habe der Überholte aufgeschlossen und sich in 30 Zentimeter Abstand an seine Stoßstange geheftet. "Dann hatte ich ihn ganz eng im Kreuz." Der Hintermann habe ihn dann mit Lichthupe angeblinkt und ihm Zeichen zum Zwangsstopp gegeben. Der Aufforderung sei er jedoch nicht nachgekommen. An der Tankstelle auf der B 173 sei dieser dann bei roter Ampel ausgestiegen. "Er hat auf mein Autodach geklopft, er hat gebrüllt ,Steig aus'." Er sei jedoch davongefahren. "Ich dachte, der rastet jetzt aus." Dessen spätere Anzeige bewertete er so: "Was weiß ich, was der sich zusammengereimt hat."

Ehefrau als einzige Zeugin

Als einzige Zeugin wurde die Beifahrerin des Überholten vernommen. Sie erinnerte sich, dass ihr Mann damals vorschriftsmäßig gefahren sei, auch in der 70er-Zone. Der Angeklagte habe jedoch in der Verbotsstrecke überholt. Sie gab zu, dass ihr Mann diesen, nachdem der versucht habe, sie auszubremsen, mit der Lichthupe angeblinkt habe. "Er wollte ihn zur Rede stellen." Der habe jedoch nicht reagiert und sei weitergefahren. An der Tankstelle in Kronach habe er dieses dann mit seinem persönlichen Auftritt nochmal, jedoch ergebnislos versucht. Schließlich habe man den Vorfall angezeigt. Ihren Mann beschrieb sie so: "Er ist ein sicherer Fahrer." Geärgert habe sich dieser wohl, weil er auch mal wegen eines Vorfalls von einem anderen Verkehrsteilnehmer angezeigt worden sei.

"Das geht schon mal gar nicht, dass man einen anderen Verkehrsteilnehmer wegen eines Fehlverhaltens zur Rede stellt", kritisierte der Richter. Das sei ausschließlich Aufgabe der Polizei. Der Verteidiger des Angeklagten schimpfte und fragte: "Führt sich ihr Mann öfter wie ein Verkehrserzieher auf?"

Der Richter erinnerte, dass der Angeklagte noch ein nichteinschlägiges Verfahren offen habe, aber sonst strafrechtlich unauffällig sei. Er schlug vor: "Wir schnüren ein Gesamtpaket." Nachgewiesen sei in jedem Fall, dass der Angeklagte im Überholverbot überholt habe. Mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage blieben ihm damit Punkte in Flensburg erspart. Zur Zustimmung des Angeklagten sagte er: "Das ist eine sehr weise Entscheidung."