Sogenannte Interstitielle Lungenerkranken (ILD) sind besonders tückische Erkrankungen der Lunge, die immer häufiger vorkommen. Unbehandelt verlaufen sie oft tödlich. Die Erkrankungen sind schwer zu diagnostizieren und dass es etwa 100 unterschiedliche Krankheitsbilder gibt, macht die Herausforderung noch größer. Am Klinikum Kulmbach wurde deshalb jetzt das erste ILD-Board in Oberfranken ins Leben gerufen. Disziplinübergreifend arbeiten Spezialisten verschiedenster Fachrichtungen zusammen, um Patienten bestmöglich zu behandeln.
"Das ILD-Board steht für die interdisziplinäre Diskussion aller Kollegen, die sich mit der Diagnose bei Interstitiellen Lungenerkrankungen beschäftigen", erklärt der Leitende Arzt der Pathologie am Klinikum Kulmbach, Professor Andreas Gschwendtner. Die am häufigsten vorkommenden Krankheitsformen seien heute mit modernen Medikamenten sehr gut behandelbar. "Aber es bedarf einer exakten Diagnosestellung, damit die Patienten diese Medikamente, die für die Therapie notwendig sind, zu Recht bekommen. Sonst haben diese Patienten nur die Nebenwirkungen der Medizin, aber keinen Vorteil." Hinzu kommt, dass die Behandlung sehr teuer ist: "Da sprechen wir über den Preis eines Kleinwagens pro Monat", erklärt Professor Gschwendtner.
Die Board-Sitzungen dienen dazu, die Diagnose sicher stellen zu können. Das kann ein Arzt alleine nicht. "Das ist immer eine Gemeinschaftsarbeit aus Pneumologen, Radiologen, Pathologen und aus Thoraxchirurgen oder auch Rheumatologen. Nur in der Zusammenschau aller dieser Befunde kann man die Diagnose einer ILD sicher stellen", macht Gschwendtner deutlich. "Als einzelner Arzt kann keiner von uns diese Diagnose stellen."
Dr. Joseph Alhanna, Leitender Arzt der Pneumologie am Kulmbacher Klinikum, hatte bereits seit Jahren das Ziel, ein ILD-Board zu etablieren. "Die sogenannten Lungengewebe-Krankheiten haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Aber auch die diagnostischen Möglichkeiten haben sich verbessert."
Bei einer Erkrankung des Lungengewebes sind das Zwischengewebe der Lunge und die Lungenbläschen betroffen. Vermehrte Atemnot und Reizhusten seien häufige Symptome. Die Patienten seien abgeschlagen, ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt. ILD werde durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst. Medikamente, Vogelhaltung, Schimmel und Einflüsse am Arbeitsplatz können dafür ebenso verantwortlich sein wie Immunerkrankungen oder systemische Erkrankungen wie Bindegewebs- oder Kleingefäßkrankheiten. dpa