"Gelb ist meine Lieblingsfarbe", sagt die neunjährige Helene Rupp aus Wildenroth. Damit wäre die Schlüsselblume mit ihren dottergelben Blüten an sich das richtige Motiv gewesen. Nur leuchtet auf Helenes Bild der Himmel gelb, die Blüten der Schlüsselblume sind blau. Helene ist eine von 88 Schülern, die am Kunstprojekt der Grundschule Burgkunstadt teilnahmen.
Wie bereits berichtet, interpretierten die Schüler die Blume des Jahres neu mithilfe von Pastellkreide. Die Bilder sind derzeit in der Alten Vogtei ausgestellt. Die Vernissage fand Freitagnachmittag statt. "Es ist wichtig, der Fantasie Raum zu geben. Durch ihr kreatives Schaffen erfahren Kinder Erfolgserlebnisse, die ihnen Mut und Selbstvertrauen für kommende Aufgaben geben", sagte die Leiterin der Grundschule Susi Kraus in ihrer Eröffnungsrede.


"Jedes Bild ein Kunstwerk"

Hans Peter Marx (SPD), Stellvertreter des Landrats, gratulierte den Kindern: "Jedes einzelne Bild ist ein Kunstwerk, auf das ihr stolz sein könnt." Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) lobte die Vielfalt der Kunstwerke in Farben, Ideen und Kontrasten. "Gerade das Außergewöhnliche ist interessant", sagte sie. Viel Lob von den Rednern bekam die Weismainer Künstlerin Elfriede Dauer. Sie hatte das Projekt betreut, den Kindern die Pastell-Technik beigebracht und sie zur Kreativität ermuntert mit den Worten: "Wir malen - und fotografieren nicht."
Dauer hat jedes einzelne Bild mit einem edel lackierten Holzrahmen in Szene gesetzt, die Farbe passend zum jeweiligen Bild gewählt. Damit die Pastellkreide nicht direkt auf dem Glas liegt, hat sie zusätzlich sogenannte Passepartouts eingesetzt. Deren schräger Schnitt leitet das Auge unbewusst ins Bild. Sorgsam arrangierte Dauer die Werke der jungen Künstler in den Räumen der Alten Vogtei. Gerade das Ausstellen der Bilder sei wichtig, so Dauer, denn es stärke das Selbstvertrauen der Kinder. Für die Künstlerin selbst sei es ein Erfolg, wenn "strahlende Kinderaugen voll Stolz ihre Werke bestaunen und präsentieren". Das war beispielsweise bei den neunjährigen Zwillingen Lara und Lena Günther aus Mainroth der Fall. Beide hatten ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihren Schlüsselblumen. Bei Lara ist der Hintergrund rosa und die Blüten violett. Drumherum flattert ein gelber Schmetterling. Bei Lena schwirren Bienen durch einen blauen Himmel. Blumen mögen beide gerne. Doch sie geben zu, die Schlüsselblume hätten sie erst beim Malprojekt richtig wahrgenommen.


Infos von der Schmidt-Stiftung

Das Infomaterial zur Blume des Jahres hatte die Hamburger Loki-Schmidt-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Vernissage war gut besucht, die Atmosphäre feierlich. Dafür sorgten nicht zuletzt die Bläsergruppe des Musikvereins sowie der Flötenchor der evangelischen Kirchengemeinde. Der Elternbeirat versorgte die Besucher mit Kuchen und Getränken. Den Malkurs sowie die Materialien sponserten die Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Raiffeisenbank Obermain Nord und Friedrich-Baur-Stiftung jeweils mit rund 1000 Euro. Letztere stellte zusätzlich die Räume in der Alten Vogtei zur Verfügung. Die gerahmten Bilder stehen jeweils für 30 Euro zum Verkauf. Eltern und Großeltern haben Vorkaufsrecht.
Vom Erlös will Schulleiterin Kraus einen zentralen Lagerraum für Pausenspielgeräte wie Bälle, Seile oder Stelzen anschaffen. In ihrer Ansprache betonte Kraus die Bedeutung des kreativen Schaffens im Profil der Grundschule Burgkunstadt. "Wissenserwerb und Kreativität gehören zusammen", sagte die Schulleiterin und zitierte niemand anderen als Albert Einstein mit den Worten: "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Fantasie bilde das Fundament für sämtliche Lernprozesse. Oft sei Fantasie gefragt, wenn es darum geht, kniffelige Mathematikaufgaben zu lösen, heimat- und sachkundliche Fragestellungen zu erforschen oder Aufsätze zu gestalten. Laut Kraus lernen Kinder in künstlerischen Fächern neben Geduld und Ausdauer auch Kompetenzen in der Problemlösung sowie im sozialen Bereich durch die Zusammenarbeit mit Klassenkameraden.
Nebenbei werden feinmotorische Fähigkeiten geschult, die nach Erkenntnissen der Neurowissenschaften die Grundlage für Lernfähigkeit und Intelligenz bilden. Kraus zufolge war das Kunstprojekt lediglich ein Baustein in der Schulentwicklung. Den Löwenteil macht der Schulhausumbau aus.


Die Öffnungszeiten

Mithilfe der Beraterin Karin Doberer sollen die Schulräume künftig so gestaltet werden, dass sie ein besseres Lernen ermöglichen. Kunst und Kreativität spielen dabei eine große Rolle. Neben den Schlüsselblumen im Erdgeschoss befindet sich zusätzlich die Jahreskunstausstellung der Grundschule im ersten Stock der Alten Vogtei. Geöffnet sind die Ausstellungen während der Schusternacht am Freitag, 15. Juli, von 15.30 bis 19 Uhr sowie Sonntag, 17. Juli, von 14 bis 17 Uhr. Termine außerhalb dieser Öffnungszeiten können über die Grundschule Burgkunstadt vereinbart werden.