"Sterben und Tod sind immer noch ein Tabuthema. Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und schon gar nicht, wenn Kinder betroffen sind. Freunde, Bekannte und Nachbarn sind oft überfordert und ziehen sich zurück oder versuchen das Thema zu umgehen", weiß Vera Mertens. Sie und ihr Team von Ehrenamtlichen wollen das ändern: Am 10. Dezember starten sie mit der ersten Gruppenbetreuung für trauernde Kinder, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Vera Mertens ist die sozialpädagogische Leiterin von Lacrima, dem Zentrum für trauernde Kinder der Johanniter in Oberfranken.


Intensive Vorbereitung

In den vergangenen Wochen wurden sechs Ehrenamtliche in einer 64-stündigen Ausbildung auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet. Sie haben theoretisches und praktisches Wissen erworben, sich intensiv mit ihrer persönlichen Trauer auseinandergesetzt und sind nun in der Lage, trauernde Kinder liebevoll zu begleiten. Eva Wagner ist eine der Ehrenamtlichen, die sich bei Lacrima engagiert: "Ich habe in meiner Kindheit selbst einen Trauerfall in der Familie erlebt und weiß, wie sich das anfühlt. Das kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder und Jugendliche in einer solchen Situation aufgefangen werden."
Ab 7. Dezember treffen sich betroffene Kinder und ihre Eltern alle 14 Tage in der Johanniter-Kindertagesstätte in Reckendorf: "Uns war es wichtig, noch vor Weihnachten zu beginnen, denn gerade diese Zeit ist besonders traurig, vor allem wenn es das erste Fest ist, an dem Mama, Papa oder Geschwister fehlen", so Mertens. Einige Plätze sind in der Gruppe noch frei.
Ein wichtiger Ansatz von Lacrima ist die Enttabuisierung des Themas Tod. "Trauer ist keine Krankheit, sondern ein normales Gefühl wie lustig zu sein oder Freude zu empfinden. Wir brauchen unsere Gefühle, um mit dem Verlust leben zu können. Gerade für Kinder ist es enorm wichtig, dass sie Zeit und Raum bekommen, sie selbst sein zu können", betont Vera Mertens. Wenn sie nicht voll angenommen werden, verbergen Kinder ihre Trauer häufig hinter einer unbeschwerten Oberfläche und versuchen Mutter, Vater oder Geschwister zu schonen. "Sie müssen ihre Trauer aber zeigen können, damit sie nicht an Leib und Seele krank werden."
In den Gruppenstunden können die Kinder selbst entscheiden, wie sie trauern: Laut oder leise, durch Toben, Tanzen, Kreativität oder einfach nur durch Stille. Die professionellen Begleiter halten aus und schenken den Kindern Vertrauen. Parallel zu den Gruppenstunden findet ein Angebot für die Eltern oder für erwachsene Begleitpersonen statt, damit auch sie Unterstützung in ihrer eigenen Trauer erhalten und lernen, mit dem Schmerz ihres Kindes umzugehen.


Langer und steiniger Weg

Aus den Erfahrungen anderer Lacrima-Gruppen, die es bei den Johannitern in manchen Regionen schon fast zehn Jahre gibt, weiß Vera Mertens, dass die Kinder in der Regel zwei Jahre zu den Gruppenstunden kommen: "Natürlich ist das ein langer und steiniger Weg, umso schöner ist es, am Ende zu sehen, dass die Kinder mutig und voller Lebendigkeit ihr Leben in die Hand nehmen." Das Angebot von Lacrima ist für Kinder und Eltern kostenfrei und wird durch Spenden finanziert. Im Mai 2017 soll die nächste Ausbildung von Ehrenamtlichen startet, denn das Angebot soll weiter ausgebaut werden: "Wir möchten als nächstes auch eine Gruppe für Jugendliche anbieten und sobald wie möglich auch in anderen Regionen Oberfrankens präsent sein", erklärt Mertens. "Deshalb freuen wir uns über alle, die Lacrima unterstützen, finanziell oder durch ihr ehrenamtliches Engagement."
Nähere Informationen erhalten Betroffene und Interessierte unter Telefon 0951/20879874 und im Netz unter www.johanniter.de/oberfranken/lacrima. par