Sabine Memmel "Es ist ein Höllenlärm, bis spät in die Nacht." Hans-Peter Kaulen, Leiter des Jugendhauses Burg Feuerstein, weiß, wovon er redet. Denn Burg Feuerstein ist nicht nur sein Arbeitsplatz, er wohnt auch oben auf dem Berg. Der Motorradlärm ist seit Jahren sein ständiger Begleiter.

Zuhause auf seiner Terrasse oder auf der Straße selbst: Motorräder sind immer da. Teilweise mit viel zu hoher Geschwindigkeit. "Ich fühle mich oft bedrängt. Wir haben hier oben das Jugendhaus, einen Kindergarten, Gottesdienstbesucher und die Anwohner selbst. Ich mache immer meine Fenster runter, um zu hören, ob was kommt, bevor ich auf die Straße fahre. Die sind einfach zu schnell", so Kaulen, der schon viele schwere Unfälle mitbekommen hat. Auch Rennen in den Abendstunden seien an der Tagesordnung. "Da sitzt dann jemand im Straßengraben und stoppt mit den Handy die Zeit. Da gibt's viele Videos auf Youtube."

Die Polizei in Ebermannstadt hat dieses Eldorado für Motorradfahrer rund um Burg Feuerstein hat im Blick. Die Geschwindigkeit wurde bereits stellenweise auf 50 Stundenkilometer reduziert. Doch der komplett erneuerte Fahrbahnbelag lade unzählige Motorradfahrer auf eine Spritztour ein: "Die kommen von überall. Das kann dann laut werden", weiß der stellvertretende Dienststellenleiter Georg Götz.

Und wenn die Motorräder in diesen Massen so dröhnen und röhren, flattern die Beschwerden bei der Polizei über die belastende Lautstärke nur so ein. Nicht nur rund um Burg Feuerstein. Bei gutem Bikerwetter sind laut Götz gleich mehrere Tausend Zweiradfahrer besonders im Ailsbachtal, Wiesental und Trubachtal unterwegs. Vor allem Anwohner aus dem Raum Egloffstein und Ebermannstadt halten den Krach dann nicht mehr aus. "Das ist verständlich. Die Anwohner wollen in ihrem Garten oder auf dem Balkon sitzen und sind durch den Lärm beeinträchtigt", so Götz.

Vor zwei Jahren gründete sich sogar eine Bürgerinitiative namens "Stoppt die Lärmbelästigung durch die Motorradraserei". Betroffene Anwohner fordern unter anderem Geschwindigkeitsbeschränkungen und mehr Kontrollen.

Schwarzen Schafe erwischen

Götz sieht darin den erfolgversprechendsten Weg, das Problem in den Griff zu bekommen. Von einem generellen Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen hält er nichts. Das würde ihm zufolge einen zu starken Eingriff in die Bewegungsfreiheit vieler Menschen bedeuten: "Dieses Verbot betrifft alle Fahrer. 90 Prozent verhalten sich aber regelkonform und ihre Maschinen sind ordnungsgemäß gebaut und nicht manipuliert."

Deshalb gehe es für ihn vielmehr darum, die "schwarzen Schafe" herauszufiltern. Diejenigen, deren Maschinen eben nicht den technischen Vorschriften entsprechen. Die ihre Auspuffanlage mit Löchern versehen, um einen "besseren Sound" zu erzielen.

Immer häufiger bekommt die Polizei in Ebermannstadt deshalb Unterstützung von einem speziellen Team der Verkehrspolizei Bamberg, das sich mit Motortechnik besonders auskennt. Oft sei eine Manipulation gar nicht mehr so leicht zu erkennen wie früher. "Erst am vergangenen Wochenende waren Spezialisten aus Bamberg vor Ort und haben aufgrund technischer Veränderungen am Motorrad sechs Fahrern die Weiterfahrt verboten", erzählt Götz.

Die Folge? Das Motorrad muss an Ort und Stelle stehen gelassen werden. Dazu kommt ein Bußgeld im unteren dreistelligen Bereich sowie Punkte in Flensburg. "Bei all dem dürfe man nicht vergessen, dass es nicht nur die Motorradfahrer sind, die Lärm machen. Auch der Auspuff eines Sportwagens kann sehr laut werden", so Götz.

Das betont auch Hans-Peter Kaulen. Ein grundsätzliches Fahrverbot am Wochenende hält auch er für den falschen Ansatz. Vielmehr brauche es noch mehr Temposchwellen, Markierungen auf Straßen und strengere Geräuschvorschriften durch Industrie und Politik.

Dieser Meinung ist auch Günter Distler, Inhaber der gleichnamigen Motorradwerkstatt in Forchheim. Er lehnt eine derartige Beschränkung völlig ab, am Wochenende nicht fahren zu dürfen: "Es gibt Motorräder, die übertrieben laut sind. Deshalb sollte es mehr Kontrollen durch Geräuschmessungen geben."