Karl-Heinz Hofmann

Heute sind sie Altliga-Fußballer. Doch der Zusammenhalt ist noch genauso wie einst vor 40 Jahren, als die tapferen "Wackeraner" vom FC Wacker Haig vom Aufstieg in die Bezirksliga Oberfranken träumen durften. Die Altliga-Kicker erinnern sich gerne an ihre glanzvollen Fußballzeiten.
1976 kämpften sie um den Aufstieg in die Bezirksliga Oberfranken und davon erzählen die Beteiligten heute noch. Und das sogar schwärmerisch, denn die Begeisterung schwappt dabei regelrecht über, als sei erst gestern die große Zeit um die Aufstiegsspiele gewesen.


Jetzt nur noch in der Kreisklasse

Beim derzeitigen Kreisklassisten ersehnt man sich solche Zeiten nochmals herbei. Die aktuelle Saison schloss man als Tabellendritter ab und gilt wohl in der kommenden Saison als Mitfavorit in der Kreisklasse Coburg/ Kronach. In Erinnerung an das Ereignis von damals, für den nicht einmal 500 Einwohner zählenden Gemeindeteil von Stockheim, wurde nun nach 40 Jahren erstmals ein Wiedersehen mit den damaligen "Fußball-Helden" des FC Wacker Haig im Sportheim gefeiert.


Ärgerliches 2:3 gegen Frohnlach

Im aktuellen Vergleich mit der Europameisterschaft meinte Organisator Gerhard Deininger, mir kommt die Feier vor, als wären wir in Island. Wir waren Verlierer, gingen aber wie Sieger vom Platz und so fühlen wir uns heute noch. Denn wenn man Zeitungs-Spielberichte von damals herholt, muss man wirklich von einer unglücklichen 2:3-Niederlage gegen den VfL Frohnlach ausgehen.


Vor 1200 Zuschauern in Michelau

Das Sportgelände von Michelau war an jenem 4. Juli 1976 von 1200 Zuschauern gut besucht und Frohnlach ging schon in der 3. Spielminute durch einen groben Fehler des Haiger Schlussmanns mit 1:0 in Führung. Für die kämpferische Moral der damaligen Elf sprach, dass sie schon in der 10. Minute zum Ausgleich kam und in der 26. Minute sogar mit 2:1 die verdiente Führung herausspielte. Doch noch vor der Pause glich Favorit Frohnlach aus (38.).


Haig ging in der 68. Minute K.o.

In der 68. Spielminute musste man das entscheidende 2:3 einstecken. Doch wie gesagt, die Haiger fühlten sich nie wie ein Verlierer, zumal dieses Aufstiegsspiel in die Aufbruch-Ära eines VfL Frohnlach fiel, der schließlich durch einen großen Umbruch 1978 als Meister der A- Klasse den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte und somit begannen die erfolgreichsten Jahre der Frohnlacher, die bis in die Bayernliga führte.
Neue Namen traten in den Vordergrund und öffneten ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte. Walter Kirchner ergriff als erster die Initiative. Willi Schillig und Walter Knorr folgten wenig später. Zusammen sorgten sie für eine neue Dimension im Fußball in dieser Region. Zahlreiche Kicker aus dem Landkreis Kronach - wie beispielsweise "Charly" Zapf oder der viel zu früh verstorbene Johannes Lehnhardt - um nur zwei zu nennen - schnürten die Stiefel für den führenden Klub.


Spezialrezept von Chefkoch Nickol

Natürlich gingen die Fußball-Veteranen auch bei der Wiedersehensfeier nach 40 Jahren, ganz entspannt, nochmals die einzelnen Spielszenen dieses für sie einzigartigen Erlebnisses durch. Zur richtigen Feier gehört eine leckere Mahlzeit, die Chefkoch Wolfgang Nickol nach einem Spezialrezept zubereitet hatte.
Und dann war Gerhard Deininger, "der graue Wolf" genannt, mit seinem Akkordeon (Ziechkatz) gefordert. Ein Lied nach dem anderen wurde geschmettert, egal was Deininger aus seinem reichhaltigen Repertoire auch anstimmte, die Singstimmen stimmten spontan ein.


Tränen bei der Wacker-Hymne

Das schönste Lied aber war die unvergessliche "Wacker- Hymne" "Im Dörflein steht ein kleines Haus". In den Erinnerungen gab es Wehmut und Tränen aber nach kräftiger Stärkung wurde das Gedenken an die Niederlage vor 40 Jahren wie eine Aufstiegsfeier zelebriert. Und man stellte fest, die Kameradschaft ist noch so großartig wie sie vor 40 Jahren war. Am liebsten würde man jedes Jahr so ein Treffen abhalten.
Der FC Wacker Haig erlebte damals ebenfalls eine fußballerische Hochzeit. 1974/75 war man in die A-Klasse aufgestiegen und schon 1976 spielte man um den Einzug in die Bezirksliga. Großer Grund also für die "Alt-Fußballer" mal wieder richtig zu feiern. Vom damaligen Team nahmen am 40-jährigen Erinnerungsfest 13 Spieler teil.