Wer in den vergangenen Tagen und Wochen durch die Stadt gelaufen ist, dem ist es vielleicht aufgefallen: Die Touristen sind wieder da. Darunter sowohl Reisegruppen, Tagestouristen aber auch einige Rucksack-Reisende. Hängt das mit dem Welterbe-Titel zusammen?

Ines Hartmann, Pressesprecherin der Staatsbad Bad Kissingen GmbH, sagt: "Bei den Ankünften und Übernachtungen ist in den letzten Wochen eine kontinuierliche Steigerung zu erkennen." Den Eindruck, dass die Stadt voll ist und viele Tagesgäste in Bad Kissingen sind, teilt die Staatsbad GmbH. "In den Beratungen in der Tourist-Information Arkadenbau, bei der Nachfrage des Brunnenausschanks sowie bei der Teilnahme an Gästeführungen sehen wir in den letzten Wochen eine steigende Nachfrage und Gästezahl", sagt Ines Hartmann.

Außerdem gebe es eine hohe Nachfrage bei Begehungen der historischen Räumlichkeiten als auch an Führungen. Sie sieht verschiedene Gründe hinter dem Mehr an Touristen. Darunter etwa das gute Wetter, die Urlaubs- und Ferienzeit oder die Inzidenzwerte. Und natürlich auch "die verstärkte mediale Präsenz Bad Kissingens aufgrund der Ernennung von Bad Kissingen als Teil der Great Spa Towns of Europe zum Unesco-Welterbe".

Starke Medienpräsenz

Dass derzeit viele Touristen in der Stadt unterwegs sind, davon ist auch Thomas Hack, Pressesprecher von Bad Kissingen, überzeugt: "Gerade an den schönen Sommer-Wochenenden ist die Stadt voll mit Menschen aus der Region und darüber hinaus. Man merkt es an den Cafés, Restaurants, in den Läden oder auch einfach beim Flanieren durch die Parks." Bad Kissingen habe allerdings seit je her viele Gäste. Jedoch seien steigende Gästezahlen ein Effekt, der bei der strategischen Planung der Welterbebewerbung bewusst ins Visier genommen wurde - so der städtische Pressesprecher.

Wie Ines Hartmann vermutet er einen Zusammenhang zwischen der Medienpräsenz Bad Kissingens und der Anwesenheit der Touristen. Einen direkten Rückschluss zwischen steigenden Gästezahlen und der Ernennung zum Welterbe können weder Rathaus noch Staatsbad GmbH ziehen. "Eine Steigerung der Ankünfte sowie der Übernachtungen ist in den Monaten Mai bis Oktober aber auch den Jahren vor 2020 üblich gewesen", sagt Ines Hartmann. Thomas Hack von der Stadt fügt an, dass sich Tagestouristen nicht erfassen lassen. Belastbare Zahlen gibt es somit nicht.

Das sieht Johannes Metz, Leitung Kommunikation und Digitalisierung von der Rhön GmbH, die die Region touristisch vertritt, ähnlich und fügt an: "Man müsste ja direkt eine Umfrage vor Ort machen, um zu erfahren, wer nur extra wegen des Welterbes gekommen ist." Der Touristiker meint: "Der Status ist recht frisch. Konkrete Anfragen von Menschen, die nur nach Bad Kissingen wollen, hatten wir noch nicht."

Überall Menschen

Heinz Stempfle, der Kreisvorsitzende des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands, meint: "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es durchs Welterbe bedingt ist." Aus seiner Wahrnehmung heraus wagt er eine Schätzung: "Ich meine, dass es 30 bis 40 Prozent mehr an Tagesausflüglern sind, die in der Stadt unterwegs sind."

Ihm sind insbesondere enorme Mengen an Reisebussen an den Wochenenden aufgefallen. "Die speien die Leute förmlich aus am Wochenende", sagt er. "Menschen, Menschen, Menschen - es sind mehr als früher", konstatiert der alteingesessene Kissinger Hotelier. Die Gäste besichtigen nach seinen Beobachtungen nicht nur die Gebäude der Weltbadzeit. "Sie schauen sich auch Gebäude fernab davon an und fotografieren."

Synergien nutzen

Johannes Metz von der Rhön GmbH hofft darauf, davon zu profitieren. "Wir haben mit dem Biosphärenreservat und dem Kissinger Welterbe mehrere Unesco-Grundlagen in der Region. Da ergeben sich schöne Möglichkeiten, Synergien zu nutzen und die beiden Unesco-Stätten miteinander zu kombinieren."

Dafür befinden sich laut ihm Stadt und Rhön GmbH bereits im Austausch. Beispielsweise könne bei der Bewerbung des Hochrhöners das Welterbe miteinfließen. "Wir müssen die Details und Feinheiten aufgreifen. Das macht es attraktiv." Für den Touristiker ist klar: "Über das Welterbe werden wir mit Sicherheit eine höhere Attraktivität im Lauf der kommenden Jahre haben. Es ist ein zusätzlicher Interessenfaktor."