Über alle vier Quartale bewerteten die unterfränkischen Handwerksbetriebe die eigene Geschäftslage im Corona-Jahr 2020 weitestgehend zufriedenstellend: 82,4 Prozent von ihnen beurteilten sie mit "gut" oder "befriedigend", wie die Handwerkskammer für Unterfranken mitteilte. Ihr Einzugsbereich umfasst auch die Handwerksbetriebe im Landkreis Haßberge.

Die Firmen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes sind nach wie vor die Motoren der Handwerkskonjunktur. Die vom Lockdown stark betroffenen Gewerke aus dem Bereich der persönlichen Dienstleister schneiden im Jahresdurchschnitt wesentlich schlechter ab: Hier sind 60,7 Prozent mit der Geschäftslage zufrieden. Insgesamt erwarten für das erste Quartal 2021 lediglich 70,6 Prozent der Unternehmen eine gleichbleibende oder gar eine bessere Geschäftslage, teilte die Handwerkskammer weiter mit.

"Die Corona-Pandemie hat uns alle zu Beginn des Jahres überrollt. Die Unsicherheit, wie es weitergehen soll, war deutlich zu spüren. Über den Sommer hinweg haben sich nahezu alle Betriebe mit der Situation arrangiert, bis jetzt im Winter wieder der verschärfte Lockdown beschlossen wurde. Ich nehme das vergangene Jahr als Achterbahnfahrt wahr, bei der man heute noch nicht weiß, wann und wie sie enden wird", lautet die Einschätzung von Walter Heußlein, dem Präsidenten der Handwerkskammer.

Gut gemeistert

Über alle Gewerke betrachtet, hat das unterfränkische Handwerk das Corona-Jahr 2020 gut gemeistert. Im Jahresdurchschnitt beurteilen 82,4 Prozent der Betriebe die eigene konjunkturelle Lage 2020 als gut oder befriedigend. "Aber", so der Präsident, "im Vergleich zum Vorjahr 2019 sind es 9,5 Prozentpunkte weniger." Basiswerte für eine solide konjunkturelle Einschätzung sind die Kapazitätsauslastung und die Auftragsreichweite. Mit durchschnittlich 76,1 Prozent Kapazitätsauslastung im Jahr 2020 und einer Auftragsreichweite von 11,1 Wochen lag das unterfränkische Handwerk nur knapp hinter den Vorjahreswerten.

Walter Heußlein: "Auch 2020 profitierte das Handwerk im Ganzen vor allem von einer anhaltend guten Binnennachfrage. Sorgen machen uns besonders die vom Lockdown am härtesten betroffenen Betriebe der persönlichen Dienstleistungen und die Zulieferbetriebe für die Industrie, die über enorme Auftragsrückgänge berichten."

Die Friseure und Kosmetiker mussten beispielsweise 2020 über Wochen ihre Betriebe aufgrund der Pandemie schließen, was direkten Einfluss auf die eigene konjunkturelle Lage nahm. So sagen im Jahresdurchschnitt 39,3 Prozent der Betriebe der persönlichen Dienstleistungen aus, dass ihre Geschäftslage 2020 schlecht gewesen war. Rein für das vierte Quartal 2020, in dem der Lockdown verschärft wurde, beurteilen fast zwei Drittel der Betriebe ihre Lage als schlecht. Dass sich die Geschäftslage künftig noch weiter verschlechtern wird, davon sind 70,8 Prozent überzeugt.

Der Bau brummt

Nahezu keine Auswirkungen hatte die Pandemie auf den Baubereich. Im Bauhauptgewerbe zeigen sich durchschnittlich 97 Prozent der Unternehmen mit der konjunkturellen Lage im vergangenen Jahr zufrieden. Im Ausbaugewerbe waren es 90,7 Prozent. Doch auch in diesen beiden starken Bereichen macht sich Skepsis für die Zukunft breit. So sind laut Handwerkskammer im Bauhauptgewerbe nur noch 82,7 Prozent der Betriebe überzeugt davon, dass ihre Geschäftslage gleichbleiben oder sich verbessern wird.

Die Handwerksbetriebe in den drei Regionen Unterfrankens bewerteten ihre Geschäftslage über das gesamte Jahr 2020 hinweg ähnlich im Gleichklang wie die Jahre zuvor. 83,4 Prozent der Unternehmen in der Region Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) gaben an, mit der Geschäftslage 2020 zufrieden zu sein, gefolgt von der Region Würzburg (Stadt und Landkreis Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) mit 82,3 Prozent an zufriedenen Betrieben und der Region Bayerischer Untermain (Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Miltenberg) mit 81,7 Prozent an zufriedenen Betrieben. ft