Hochstadt — "Was zurzeit am Obermain und der Rodach passiert, wird die Fischerei in den kommenden Jahren nachhaltig zum Negativen verändern", so der Vorsitzende der Sportfischer Hochstadt/Marktzeuln, Dieter Geyer, bei der Jahresversammlung in der Katzogelhalle.
Nicht nur die Hochstadter, auch andere Vereine hätten festgestellt, dass die Weißfischbestände wegbrechen und die Gewässer immer klarer und sauberer werden. Mancherorts fange man keinen kleinen Weißfisch mehr. Der Grund: Die Cypriniden (Friedfische) laichen ab und man sehe massenweise Fischbrutschwärme am Ufer. Nach ein paar Wochen seien sie aber verschwunden. "Sie sind schlichtweg verhungert. Eine Reproduktion dieser Bestände findet nicht mehr statt", so der Vorsitzende.
Durch die gesetzlich vorgeschriebene dritte Klärstufe der Kläranlagen, der sogenannten Phosphatfällung, werde mittels eines chemischen Prozesses bis zu 98 Prozent des Minerals aus dem Abwasser entfernt. Der Phosphatgehalt im Wasser werde immer geringer. Phosphat ist ein natürliches Mineral, ohne das kein pflanzliches oder menschliches Leben möglich sei. Phosphat ermögliche auch das Wachstum von Algen, von denen das Zooplankton, meistens Wasserflöhe und Hüpferlinge, lebt. Diese kleinen Tierchen seien aber die Hauptnahrung der Fische. Ohne diese verhungere die Fischbrut. Dieser Prozess werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken, prognostizierte Geyer und stellte die Frage in den Raum: "Was wird zum Beispiel mit dem Raubfischbesatz, wenn keine Futterfische in ausreichender Menge mehr vorhanden sind?"

Kormoran nicht allein schuld

Der Vorsitzende argumentiere schon seit Jahren, dass am Rückgang der Fischbestände nicht allein der Kormoran schuld sei. "Wenn ich 1000 kleine Nasen und Äschen, zusätzlich noch 1000 kleine Rutten, welche ja auch noch vom Verband bezuschusst werden, in den Main einsetze und darauf dann vier Zentner fangfähige Forellen, welche während ihrer zweiwöchigen gesetzlich vorgeschriebenen Sperrzeit einen ungeheuerlichen Fraßdruck auf das Gewässer ausüben und teilweise alles wieder zunichtemachen, dann bin ich nicht besser als der Kormoran", wetterte Geyer.
Erfreulicheres wusste Geyer über das letztjährige Seefest zu berichten. Es sei trotz des schlechten Wetters ein Erfolg gewesen. Höchst bedauerlich sei für den Verein, dass sich der langjährige Jugendleiter Michael Namer, welcher die Jugendgruppe mit viel Engagement aufgebaut hätte, nicht mehr für das Amt zur Verfügung stelle. "Für das, was du geleistet hast, recht herzlichen Dank, Michael", lobte Geyer.
Das Königsangeln sei mit 39 Teilnehmern gut besucht gewesen. Angelkönig wurde Stefan Sünkel mit einem Hecht von 2600 Gramm, gefolgt vom 1. Ritter Karl Tischer mit einem Zander von 2240 Gramm.
Kassierer Lothar Kuschel trug einen übersichtlichen Kassenbericht vor und wurde von den beiden Kassenrevisoren Frank Reuther und Peter Krause für seine einwandfreie Kassenführung gelobt.
Laut Gewässerwart Heiko Häublein wurde im vergangenen Jahr sehr gut gefangen. Insgesamt waren es 325 Karpfen, 20 Schleien, 33 Aale, 20 Hechte und 123 Zander. Der gesetzlich vorgeschrieben Besatz für 2015 wurde getätigt.
Die Neuwahlen der Vorstandschaft brachten folgendes Ergebnis: Vorsitzender Dieter Geyer, 2. Vorsitzender Heinz Glätzer, Kassier Lothar Kuschel, Schriftführer Benjamin Basler, Jugendleiter Thorsten Wendel, Gewässerwart Heiko Häublein, Kassenrevisoren Peter Krause und Frank Reuther. Der erweiterte Vorstand setzt sich zusammen aus Heinz Gerd Schidt, Heiko Mühlherr, Erich Pfadenhauer, Peter Beuthner, Friedrich Müller, Gerd Fleischmann, Ludwig Schirner, Michael Namer, Horst Schötz, Alexander Kretz und Thomas Wagner.
Abschließend standen noch Ehrungen langjähriger Mitglieder auf dem Programm. Für 25-jährige Vereinszugehörigkeit wurden Franz Loika, Karlheinz Regele, Marco Sittig, Martin Sittig, Rita Sittig, Roland Wagner, Rene Wagner und Thorsten Wendel geehrt. Seit zehn Jahren dabei sind Steffen Brückner und Erwin Düth. Werner Hauber