Der Weiße Ring betreibt zukünftig selbstständige Außenstellen in den Landkreisen Lichtenfels, Kronach und Kulmbach. Das gab der Landesvorsitzende Bayern-Nord, Josef Wittmann, am Dienstag in der Polizeiinspektion Lichtenfels bekannt. Bisher wurden die Außenstellen der drei Landkreise unter einem Dach geleitet.
Die Neuorganisation bedinge auch mehr Führungspersonal, so der Polizeidirektor a. D. "Wir suchen dringend ein oder zwei Mitarbeiter", ergänzte die neue Außenstellenleiterin in Lichtenfels, Irene Dicker. Darüber hinaus seien auch Mitglieder willkommen, die die ehrenamtliche Arbeit unterstützen.
In den 31 Außenstellen in Nordbayern, dazu gehören die drei fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz, helfen rund 4500 Mitglieder Menschen, die durch Straftaten geschädigt worden sind, erläuterte Wittmann. 10 000 Mitglieder sind es in Bayern und 50 000 bundesweit. "Wir treten ein für die Belange der Opfer in der Öffentlichkeit, in der Politik und fördern Maßnahmen der Kriminalitätsvorbeugung", erläuterte er. Der Weiße Ring finanziere sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und richterliche Anordnungen bei Bußgeldern. Bei testamentarischen Verfügungen werde festgestellt, dass immer mehr alte Menschen ihr Erbe anstatt den Kirchen Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen. Die Hauptdelikte, bei denen der Weiße Ring die Opfer betreue, seien Betrugsfälle, sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt und Nachstellen. Der Weiße Ring biete menschlichen Beistand für Opfer und Angehörige, so Wittmann.


Hilfe bei Behördengängen

Die Mitglieder begleiteten Geschädigte bei Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht und böten Hilfestellung im Umgang mit weiteren Behörden. Sie vermittelten psychotraumatische sowie rechtsmedizinische Untersuchungen. Mit der Polizei sei der Weiße Ring eng verbunden. Unter der Telefonnummer 116 006 werde bundesweit Hilfe angeboten.
Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion, Ralf Fenderl, machte deutlich, dass die Polizei dem Weißen Ring Hinweise auf die Situation gebe, aber keinen Kontakt herstellen könne, da die Beamten zur Neutralität verpflichtet seien. Häusliche und sexuelle Gewalt seien die häufigsten Delikte in Lichtenfels. Die Anzahl der Vorfälle halte sich jedoch in Grenzen, so der Erste Hauptkommissar, da das Entdeckungsrisiko in ländlich strukturierten Gegenden größer als in den Ballungszentren sei.