A guta Freundin hot miä vo am Film äzehlt, "Merry Christmas" haaßt eä. Do is vom Weihnachtsohmd 1914 die Red.
A deutschä Soldat hot sich gätraut, mit an klan Chrtistbaam in dä Hend neis "Niemondslond" zä geh und hot laut oogfangt "Stilla Nocht" zä singa. Und donn woäs wie a Wundä: Die Engländä und Franzosen sän aus ihra Schützngräbn gäkrochn und hom mitgsunga - in ihrä Muttäsproch! Sie hom die Waffn niedägälecht und hom sich väbrüdärt. Für die aa Nocht. Und des woä ja eichentlich bloß möchlich, wal a aanzichä sich a Herz gfaßt hot.
Des hot miich richtig oogärührt und donn is miä glei wos eigfalln, wus aa so ähnlich woä, und des is im Advent vom Kriegsjohä 1943 gschääng.
Domols sän alla Schulmadla vom zehnten Lebnsjohä ob "erfasst" worn (so hot des ghaaßn), und sie hom dem BDM, dem Bund deutscher Mädchen, beitreten gämüsst, ob sie gäwollt hom odä net. Zwaamol in dä Wochn woä om Nochmittoch "ootreten": Im Gleichschritt marsch, marsch a poä Rundn übn, donn woä Sport in dä Turnhall droo, odä Schulung in an Klassnzimmä zur "Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung."


Die Gudrun hat das Sagen

Manchesmol hom mä a "Völkischa Liedä" gälernt, wus ghaaßn hot. "Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt!" Die Führerin vo unsrer "Schaft" (ungfeä zehn Maadla) hot Gudrun ghaaßn - ächt nordisch - obä die frechn klan Pimpf vom Kaulberch hom ihä immä "Gudrun - Schtruutzgrubn" noochgschriea.
Acht Dooch voä Weihnochtn hot sie zu uns Zwöälfjähricha gsocht: "Also, am Freitag gehen wir nicht zum Antreten, sondern ins Lazarett, um unseren verwundeten Soldaten eine Freude zu machen, mit Gedichten, Geschichten und Liedern!" "Weihnachtsliedä?", hom miä vollä Freud gfroocht. Sie hot bloß kurz gänickt. "Jetzt wollen wir noch ein neues lernen. Es geht so: Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud. Durch den Schnee, der leise fällt, wandern wir, durch die weite weiße Welt." "Des kenni obä ganz andersch", bin i rausgäplatzt, "des haßt doch: Das ist für uns eine große Gnad, unser Heiland Jesu Christ ..." "Schluss", unterbrach sie mich, "diese veraltete Form singen wir nicht mehr!"


Freude für die Helden

A poä Dooch spetä hom miä uns also voäm Lazarett Antonianum - des woä gengübä vo dä Jakobskerng - gsammlt und sän donn nei die Kronknsääl ganga. Zäörscht hot die Gudrun die Hakn zammgäknallt und exakt den "deutschn Gruß" vollfühärt. Nochert hot sie äkleät, dass wir deutschen Mädchen unseren verwundeten Helden ein Freude zum "Julfest, der Feier der Wintersonnenwende" machen wollten.
Donn hot sie oogstimmt: "Hohe Nacht der klaren Sterne ..." Die zweit Stroph hot ghaaßn: "Hohe Nacht mit großen Feuern, die auf allen Bergen sind. Heut muss sich die Erd erneuern, wie ein jung geboren Kind!"
Des Lied hot zwoä a schöna Melodie ghobt, obä mitn Text hom miä goä nix oofanga gäkönnt. "Des soll aWeihnachtslied sei", hot die Annelies nebä miä gämault. "Do ghöät doch a Krippäla, des Jesukind, Ochs, Esel und Hirtn däzu!" Välleicht spetä, hob i ghofft - obä es is nix mehä kumma. Im Sool untä die Väwundetn woä aa ka freudicha Stimmung zä spürn, ehrä so wos wie Enttäuschung - und bei uns aa. "Och, worum singa miä net ,Ihä Kinderlein kommet' oder ,Freue dich, Christkind kommt bald!'", hot die Irmgard, wu nuch orch kindlich woä, die Führerin gfrocht. Die hot bloß a obwehrenda ungeduldicha Hondbewechung gämacht und gleich oogfangt, a Wintägschicht zä lesn. Dänooch is nuch deä Tannenbaum mit den immergrünen Blättern drookumma. Der Obschluss woä a "markiges Führäwort" zum Durchhalten: "Der Einzelne ist nichts - Deutschland ist alles!"


Mutige Stimmen

Grood, wie sie uns gsocht hot, dass miä nausgeh solln, woä aus dä hinterstn Eckn vom Sool aa schwocha Stimm zä hörn: "Ach bitte, singt doch Stille Nacht!" Die Antwort vo dä Gudrun woä hart wie a Gschoss: "Das ist nicht vorgesehen, mit der Stillen Nacht ist's vorbei!" Die Pflegeschwestärn hom gäbettlt: "Ach, macht doch dem schwer Verwundeten die Freud, vielleicht ist's seine letzte! Er hat beide Beine verloren und die Stümpfe eitern! Wer weiß, ob er durchkommt!" Obä die Führerin hot sich net entschließn gäkönnt.
Doo fengt auf aamol a anzichs Maadla mutich oo, ganz kloä und hell zä singa: "Stille Nacht, heilige Nacht ..." Ganz zaachhaft falln nuch a poä Stimmla ei - und auf aamol singa alla laut und deutlich miit. Wie älost und vollä Jubl klingt die Stell: "Christ, der Retter ist da!" Die Gudrun geht zwoä aum Sool naus, obä miä singa einfoch weitä - alla drei Strophn. Deä väwundet Moo - eä hot ja nuch a ganz jungs Gsicht - streckt uns zum Dank sei Händ entgeeng. Redn ko er etz net - obä die Träna, wu na aus die Aagn rolln, soogn gänuch.