Der bogenförmige Schriftzug "Eilgut-Abfertigung" über dem Haupttor lässt sich gerade noch erkennen. Ansonsten verrät an dem Fachwerkgebäude nördlich des Bahnhofs nichts, wofür es einst da war. Die Tore sind versperrt. Auf der anderen Seite des Gebäudes, zum Bahnhof hin, sind die Fenster mit Sperrholzplatten verrammelt.

Vor einigen Jahren schien es schon, als sei das Ende des Gebäudes nah. Damals war der Bau eines Parkhauses an der Lossaustraße nördlich des Bahnhofs im Gespräch. "Das ist vorbei. Da kommt kein Parkhaus mehr hin. Das ist letztlich an der Bahn gescheitert", sagt aber nun Hans-Heinrich Eidt. Der Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild Coburg hat die frühere Eilgut-Abfertigung in sein Denkmalschützer-Herz geschlossen.

Lange hat er das Fachwerkgebäude nördlich des Bahnhofs selbst nicht beachtet, wie er einräumt. In den Fokus geriet es erst, als sein Parteifreund Jens-Uwe Peter davon sprach, am Coburger Bahnhof einen Standort der Heilsarmee etablieren zu wollen. Das machte Eidt, der seit Jahrzehnten für die FDP im Coburger Stadtrat sitzt, auf die ehemalige Expressguthalle aufmerksam. "Wenn ich was sehe, was vergammelt, geht bei mir die rote Lampe an."

Nur: Machen gegen das Vergammeln kann Eidt erst mal nichts. Das Gebäude gehört der DB Immobilien, einer Tochter der Bahn AG. "Die wissen selbst nicht so recht, was sie mit dem Gebäude anfangen sollen", sagt Eidt, der nach eigenem Bekunden mit der Bahn Kontakt aufgenommen hat.

Unter Denkmalschutz

Die frühere Expressgut-Abfertigung steht, wie der gesamte übrige Bahnhof, unter Denkmalschutz. Die nördlichen Nebengebäude des Empfangsgebäudes seien "für das Erscheinungsbild des Bahnhofs unverzichtbar", heißt es in dem Buch über die Coburger Denkmäler von Peter Morsbach und Otto Titz. Die frühere Eilgut-Abfertigung wird als "vorspringender Schopfwalmdachbau" beschrieben, dessen Fachwerk "in der Art des 17. Jahrhunderts ausgeführt ist". An dieses Gebäude schließt sich das schlichtere Lagergebäude an, das im Obergeschoss ebenfalls Fachwerk zeigt. Da die Gleise höher liegen, sind von der Lossaustraße aus zwei Geschosse zu sehen, während es vom Bahnhof aus nur eines zu sein scheint. In der Expressgut-Halle wurden die Sendungen bearbeitet, die nicht in Güterzügen transportiert wurden, sondern in Waggons, die an Personenzüge angehängt waren. Für Eidt ist die Express-Abfertigung auch wichtig, weil sie zeigt, dass der Bahnhof früher nicht nur aus dem repräsentativen Empfangsgebäude bestand.

Wenn die Bahn schon nicht weiß, was sie mit dem historischen Gebäude anfangen soll - Eidt wüsste jemanden, der ein Interesse hätte, dort zu investieren. Wer, will er nicht sagen. Doch er scheint die Offerte, die aus dem Kreis seiner Stadtbild-Freunde kommt, ernst zunehmen. Das Gebäude könnte in mehrere kleine Geschäfte umgebaut werden, ist Eidt überzeugt. "Ich finde, aus dem Gebäude lässt sich etwas machen."

"Zukunftsbahnhof" fast fertig

Immerhin: Am Bahnhofgebäude selbst ist in den vergangenen Monaten einiges erneuert worden. Der "Zukunftsbahnhof" sollte eigentlich schon vor einem halben Jahr fertig sein. Nun geht die Bahn der Schalterhalle bis Mitte Juni abgeschlossen sein werden. Die Wände der Unterführungen sollen in den nächsten Wochen verputzt werden. Ein offizieller Eröffnungstermin für den teilweise sanierten Bahnhof sei für Ende Juni/Anfang Juli ins Auge gefasst, teilte ein Bahnsprecher mit.