Stephan Herbert Fuchs

Nicht immer kann man sich auf die Aufzeichnungen von Überwachungskameras verlassen. Im Fall eines 38-jährigen Mannes aus Bad Berneck, der sich wegen eines Rauschgiftdelikts vor dem Amtsgericht in Kulmbach verantworten muss, hat Richterin Sieglinde Tettmann jetzt sogar eine Aufbereitung der Videoaufzeichnung durch das Bundeskriminalamt veranlasst. Der Aufwand ist durchaus gerechtfertigt, geht es doch für den Angeklagten darum, ob er für mindestens ein Jahr ins Gefängnis muss oder nicht.

Der Mann und eine Begleiterin waren vor gut einem Jahr, am 10. Juli 2020, kurz vor Mitternacht einer Zivilstreife der Polizei am Autohof in Himmelkron aufgefallen. Als sich die Beamten zu erkennen gaben, wurde der Angeklagte hektisch, so dass sich die Polizisten schnell für eine ganzheitliche Kontrolle entschieden. Sie fanden eine Spritze mit einem Rest Heroin, verschiedene Drogenutensilien, eine größere Menge Bargeld in drogentypischer, also relativ kleiner Stückelung und ein verbotenes Springmesser.

Das ominöse Teil auf dem Boden

Wichtigster Fund war jedoch ein kleines schwarzes Stoffsäckchen, in dem sich eingeschweißt in einer Druckverschlusstüte mehrere Gramm Crystal Meth befanden. Das Säckchen fanden die Ermittler allerdings weder am Körper des Mannes, noch in seinem Auto, sondern auf dem Boden.

Lag es da schon oder hatte es der Angeklagte schnell weggeworfen? Das sind die Fragen, die das Gericht klären muss. Der Angeklagte bestritt nämlich, mit dem Rauschgift irgendetwas zu tun zu haben.

Fest steht allerdings auch, dass auf dem Säckchen DNA-Spuren des 38-Jährigen gefunden wurden. Doch diese Spuren könnten ja auch übertragen worden sein, beispielsweise durch einen der Polizeibeamten, die zuerst den Angeklagten durchsuchten und dann das Stoffsäckchen sicherstellten.

Zwei der Beamten von der Inspektion Stadtsteinach erklärten, dass sie noch am Autohof alles nur Erdenkliche in die Wege geleitet hätten, als bekannt wurde, dass der Angeklagte einschlägig vorbelastet war. Eine Wohnungsdurchsuchung wurde veranlasst, ein Spürhund angefordert, denn die Fahnder erkannten schnell, dass am Armaturenbrett des Wagens schon einmal manipuliert worden war. Wie das Stoffsäckchen mit der Druckverschlusstüte allerdings auf den Boden kam und wer es wann angefasst hatte, das konnte nach so langer Zeit mit hundertprozentiger Sicherheit keiner mehr sagen.

Wasserzeichen verdeckt Bild

Aufklärung erhoffte man sich im Gerichtssaal durch die Videoüberwachung der Tankstelle, die alles im Bild festgehalten hatte. Doch alle Beteiligten wurden enttäuscht.

Der Tankstellenbetreiber hatte damals wohl nur eine einfache Programmversion, bei der mitten im Bild eine Art Wasserzeichen Teile des Geschehens verdeckte. Man sah zwar den Angeklagten und die Polizeibeamten, auch das Stoffsäckchen mit den Drogen war zu erkennen, doch wie es auf den Boden gekommen war, konnte man nicht erkennen.

"Es gibt Indizien, die gegen den Angeklagten sprechen", sagte Richterin Tettmann, ob die allerdings für eine Verurteilung ausreichten, das sei fraglich.

Nun soll die Aufzeichnung mit Hilfe von Spezialisten technisch so aufbereitet werden, dass der Weg des Stoffsäckchens lückenlos nachvollzogen werden kann. Stellt sich heraus, dass der Angeklagte es loswerden wollte, erwartet ihn wohl eine Gefängnisstrafe, denn er wurde bereits vor geraumer Zeit wegen eines Drogendeliktes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ein neuer Termin wird nun von Amts wegen bestimmt.