2020 war für viele Menschen kein gutes Jahr. Ein Virus hat die Welt im Griff - und das ist mit starken Einschränkungen für alle verbunden. "Doch wir jammern hier auf einem hohen Niveau", sagt Sigrid Daum aus Kulmbach. Sie engagiert sich seit einigen Jahren in der Nepalhilfe und findet, man solle auch den Blick dafür nicht verlieren, was in anderen Ländern passiert, in denen es kein soziales Netz gibt.

"In Nepal gibt es bei einer Einwohnerzahl von 29,7 Millionen etwa 33 400 aktive Coronafälle", erklärt sie. Viele Nepalesen hätten keinerlei soziale Absicherung oder seien Tagelöhner, die nur unregelmäßig und kurzfristig Arbeit fänden, während des Lockdowns sei auch dies unmöglich geworden.

200 Patenkinder

Um die Absicherung des Lebensunterhalts der rund 200 Patenkinder und deren Familien kümmere sich dankenswerterweise die Nepalhilfe Kulmbach, aber: "Es gibt auch Notfälle, die uns bekannt sind, und bei denen der Verein nicht unterstützend eingreifen kann, weil dies satzungsmäßig nicht hinterlegt ist."

Ein solcher Fall ist der Vater von Dhana Bajgai. "Dhana hilft unserem Verein seit vielen Jahren auf vielfältige Weise vor Ort, er hat deswegen sogar angefangen, Deutsch zu lernen", sagt Sigrid Daum. Dhana lebt mit seiner Familie in Kathmandu, stammt aber aus einem kleinen Dorf in den Bergen südöstlich der Hauptstadt.

Sein dortiges Elternhaus, in dem noch sein Vater und sein Bruder mit seiner Familie leben, ist Mitte des Jahres bis auf die Grundmauern abgebrannt. "Leider ist es in Nepal nicht üblich, sich eine teure Brandversicherung zu leisten, und so hat auch die Familie Bajgai keine finanzielle Hilfe zu erwarten." Sie habe alles verloren und brauche dringend eine Unterkunft, weil die Regenzeit begonnen habe und es im Winter richtig kalt werde.

"Im Moment haben die Brandopfer, das sind sechs Personen, bei Nachbarn Unterschlupf gefunden, die ihnen zwei Zimmer abgetreten haben." Sigrid Daum erinnert sich noch gerne an die Zeit vor etwa drei Jahren zurück, als Dhana oder "Didi" , wie sie ihn nennt, sie in Nepal willkommen hieß und sie als Dolmetscher auf Schritt und Tritt begleitete. "Er hat auch immer vermittelt und die Unterschiede zwischen dem deutschen und nepalesischen Verständnis erklärt." In Nepal hätten die Menschen viel mehr Akzeptanz für das Geschehen - "wir machen Pläne, in Nepal lebt man im Jetzt".

Auf Geschenke verzichtet

"Dhanas Vater ist inzwischen psychisch krank, die Familie braucht Geld für den Wiederaufbau des Hauses, für Lebensmittel, für Futter für die Tiere - das Einzige an Hab und Gut, das nicht mit verbrannt ist", sagt Sigrid Daum. Den Menschen in Nepal gehe es aktuell sehr, sehr schlecht, weshalb Sigrid Daum mit den Erwachsenen in ihrer Familie hier in Deutschland beschlossen habe, dieses Jahr komplett auf Geschenke zu verzichten.

"Stattdessen werden wir das Geschenkegeld nach Nepal für Dhanas Vater spenden." Diesen Aufruf will sie an möglichst viele Menschen senden, denn hier handele es sich um eine Spende, die zu 100 Prozent vor Ort ankomme. "Insgesamt sind bestimmt 8000 bis 10 000 Euro nötig, um Haus und Stall wieder aufzubauen, zwei Familien müssen darin Platz finden." Die Freude, dass die Familie wieder ein Dach über dem Kopf bekäme, sei ein wunderbares Gegengeschenk.