Die in Erlangen lebende Künstlerin Annette Voigt entwickelt im Kesselhaus Bamberg eine raumgreifende Installation, die ausgehend von den Gegebenheiten des Raumes den Ort verändert und zu neuen Wahrnehmungen bzw. eigenständigen Sinnzusammenhängen führt. Die Erforschung des jeweiligen Raumes ist ein essentielles Element in ihrer künstlerischen Herangehensweise: Was charakterisiert den Raum, was sagt er aus, historisch, architektonisch, ästhetisch?

Im ehemaligen Kesselhaus des früheren Bamberger Krankenhauses wurde einst in mit Kohlen befeuerten Kesseln Wasser für die angrenzende Wäscherei erhitzt. Aktuell ist der Raum teilentkernt und dient als Ausstellungsort unter anderem für den Kunstverein Bamberg. Früher wurde hier augenscheinlich schwer gearbeitet. Unter dem Titel "to do" umkreist Annette Voigt in dieser Installation das Thema Arbeit.

Der mittlerweile eingedeutschte Begriff verweist auf das Tun, mit To-do-Listen soll Unerledigtes effizienter abgearbeitet werden. Arbeit ist ambivalent besetzt, zum einen Mühe, aber auch Identifikationsmöglichkeit und Daseinserfüllung. So fühlen sich Arbeitslose oft nicht zur Gesellschaft zugehörig, weil sie nicht arbeiten. Es stellen sich Fragen nach dem Wert von Arbeit, ihrem Charakter, wie sie sich verändert hat, wie sie in Zukunft aussehen könnte.

Überall im Kesselhaus sind Rohrteile, Schächte, Löcher etc. noch sichtbar. Diesen Rohrresten fügt die Künstlerin neue hinzu, baut weiter mit einer Mauer aus Papiersteinen, lehnt imaginäres Arbeitsgerät an die Wände, zeigt einen Film, in dem sich Menschen die Hände waschen. Die Materialien, mit denen Annette Voigt arbeitet, sind der Alltagswelt entlehnt, erscheinen zunächst "kunstfern". Daraus konstruiert sie neue Objekte, Geräte, Einbauten. Diese verweigern sich einem konkreten arbeitstechnischen Gebrauch, entwickeln vielmehr ein eigenes, bisweilen augenzwinkerndes Spiel, das uns herkömmliche Vorstellungen von Arbeitswelten hinterfragen lässt.

Annette Voigt ist Kulturpreisträgerin der Stadt Erlangen 2018; sie hat in Nürnberg und Toronto Kunst studiert mit dem Schwerpunkt Bildhauerei.

Die Ausstellung "to do" ist vom 26. September bis zum 25. Oktober im Bamberger Kesselhaus, Untere Sandstraße 42, zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Termine nach Vereinbarung info@kunstverein-bamberg.de. red