von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Kloster Banz — Heinz Pfuhlmann dürfte an diesem Abend recht zufrieden gewesen sein. Seine Körpersprache signalisierte das jedenfalls. Das Thema, das ihn seit zehn Jahren umtreibt, fand stets aufmerksame Zuhörer. Am Donnerstagabend nun auch an dem Ort selbst, der ins Fadenkreuz von Geheimdiensten, Kunstverständigen und Nazis geriet: Kloster Banz.
Wer zu einem Geschichtsvortrag Ambiente erwartet, der sitzt im Museum des Klosters Banz genau richtig: zwischen Schaukästen, Vitrinen und Schautafeln zum Erdzeitalter. In dieser Atmosphäre begrüßte Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck Heinz Pfuhlmann, ehemaliger Direktor des Lichtenfelser Meranier-Gymnasiums, zu einem Vortrag im Rahmen des CHW-Programms. "Bücher, Akten und Altäre - Die Einlagerungen in Banz und seinem Umland in der Kriegs- und Nachkriegszeit 1941-1948", so der lange Titel, der es in sich hatte.


Im Bundesarchiv geforscht

Welche Schätze, welche Schicksale und welche Nachstellungen das Thema in sich birgt, darauf ließ sich Pfuhlmann ein. Beispielsweise durch Nachforschungen im Bundesarchiv, im Staatsarchiv von Berlin, im Nationalarchiv der USA und dem Bad Staffelsteiner Stadtarchiv.
Ganz allgemein ging es darum, dass Kloster Banz im Dritten Reich als Auslagerungsort für wertvolle Handschriften, Kunstschätze, Kunstraubschätze und Privateigentum von Nazi-Parteibonzen diente. Aber so ein Thema verzweigt sich und wer lange forscht, stößt auf allerlei Gereimtheiten.
Auf diese zum Beispiel, dass die Preußische Staatsbibliothek in Berlin wohl auch darum auf die Idee verfiel, Banz als Einlagerungsort auszuwählen, weil es auch als Lazarett diente und ab Juni 1942 unter dem Schutz des Roten Kreuzes stand. Keine Gefahr durch Fliegerbomben also. Aber diese Gefahr, das eben belegen ja die schon 1941 vorgenommenen Auslagerungen, wurde von manchen Stellen im Dritten Reich vorhergesehen - entgegen lächerlich beschwichtigender Propaganda eines Hermann Göring.
Im Zuge seiner Nachforschungen stieß Pfuhlmann auch auf den Umstand, wonach NSDAP-Chefideologe Alfred Rosenberg Besitztum nach Banz verbringen ließ. Jener Mann, der im Krieg eine entscheidende Rolle bei deutschen Kunstraubzügen spielte. In dessen Besitz waren auch Unterlagen, die wiederum unter anderem das Interesse des US-Geheimdienstes CIC oder des OSS oder des Pariser Büros für die Verfolgung von Kriegsverbrechen der Achsenmächte erregte. Unterlagen, die zur Vorbereitung des Jahrhundertprozesses in Nürnberg 1946 dienten.
Dass sich all diese Dinge, die sogar das Weltgeschehen berührten, in der Heimat und in und um Kloster Banz abspielten, übte eine gewisse Faszination aus. Heinz Pfuhlmanns Forschungen zu diesem Thema und verschiedensten Schicksalen sollen nicht zum Stillstand kommen. "Der Vortrag ist ja nur ein Extrakt", sagt er. Und er vergisst nicht zu erwähnen, dass sein Vortrag "ein Gedenkblatt für Karl-Ludwig Ostertag Henning" ist, der mit Forschungen und Gedanken in dieser Angelegenheit begann und Anregung gab.