Roland Schönmüller

"Der nächste Winter kommt bestimmt!" Diese Aussage kennt jeder, und dabei denkt man an Vorbereitungen in den Monaten und Jahreszeiten vorher: "Reicht das Heizöl noch über die kalten Monate hinaus?", fragt die besorgte Ehefrau schon im heißen August und markiert nach Sichtung der Ölbehälter einen baldmöglichsten Bestelltermin auf dem Familienkalender.

Die Waldbesitzer (nicht nur im Frankenwald) denken da schon Jahre voraus und legen ihre Holzvorräte bereits ein halbes Dutzend Jahre vorher an. Denn je trockener das natürliche Heizmaterial ist, um so größer ist auch der Brennwert des Holzes.

Vorbereitung auf Eis und Schnee

Im hohen skandinavischen Norden treffen die dortigen Bewohner auch schon im Hochsommer und Herbst in Haus und Hof ihre winterlichen Vorbereitungen gegen Winterstürme, Schneeverwehungen und beißenden Frost. Geerntete Kartoffeln kommen an einen trockenen Ort, Boote werden geölt, Beete mit Seegras isoliert, Türen und Fenster abgedichtet sowie Regenrinnen gesäubert. Denn: Der Wandel von der warmen zur kalten Saison vollzieht sich anfangs noch in kleinen Schritten. Dann brauchen wir plötzlich Winterkleidung mit besten isolierenden Materialien - die Kälte ist da. Schließlich fällt der erste Schnee, meist eher als erwartet.

Was aber ist ein typischer Winter? Schnee muss liegen, und eisiger Wind fegt dann über die Höhen des Frankenwaldes bei Posseck, Effelter, Nurn oder Neufang. Nur die Hartgesottenen zieht es in der Freizeit nach draußen an die frische Luft, in die Wintersonne. Winter - das ist die regelmäßig wiederkehrende Zeit der Abwesenheit von Wärme und Licht, von Blüten und Blättern, von vielen Vögeln und anderen Lebewesen, die sich in ihre Verstecke zurückgezogen haben oder in südlichere Gefilde. Nur ein paar Krähen, wenige Spechte und einige resistente Standvögel bleiben. Sie trotzen der kalten Jahreszeit. Das Leben geht weiter, wenn auch auf andere Weise.

Die Boten des Winters

Bei uns beginnt der Winter zur Wintersonnenwende, das ist der Tag, an dem die Sonne über dem südlichsten Wendekreis den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn erreicht. Es ist der kürzeste Tag des Jahres, und das Sonnenlicht zeigt sich, klaren Himmel vorausgesetzt, besonders kurz.

Für Meteorologen ist der 1. Dezember der erste Wintertag. Gefühlt beginnt der Winter aber schon früher mit allen möglichen Anzeichen: etwa wenn die Bienen in ihrem Unterschlupf verschwinden, wenn Vogelgesänge verstummen, wenn der Blattfall der Stieleiche einsetzt, wenn der späte Apfel gereift ist oder wenn bei der Europäischen Lärche der Nadelfall startet.

Die Winter werden kürzer

Der Verlauf der Jahreszeiten hat sich durch den Klimawandel verschoben, ist oft unberechenbarer geworden. Unsere Winter werden kürzer, die Vegetationsperiode verlängert sich - in Deutschland während der vergangenen Jahrzehnte schon um etwa zwei Wochen. Für die kalte Jahreszeit wird in Zukunft wohl ein weiterer Temperaturanstieg erwartet, dabei werden die Wintermonate wohl nasser sein.

Probleme gibt es schon bei den immer früher ankommenden Vögeln. Hier fehlt dann das Futter für ihre Brut, und den vorzeitig blühenden Pflanzen mangelt es an sie bestäubenden Insekten, weil diese noch auf den traditionellen Winter "getaktet" sind. Will man verstehen, wie die Winter früher waren, ist man auf Quellen angewiesen, die seinen "Abdruck" zeigen, beispielsweise in den Aufzeichnungen der Menschen, die ihn durchlebt und durchlitten haben.